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Chicago Style

Historische Manuskripte zitieren nach Chicago – Fußnoten

Historische Manuskripte zitieren nach Chicago (Fußnotenstil)

Historische Manuskripte umfassen einzigartige, unveröffentlichte oder handschriftliche Quellen wie Briefe, Tagebuchblätter, Feldnotizen, Amtsprotokolle, Urkunden, Codices, Skizzen, musikalische Autographen oder archivierte Notizsammlungen. Sie bilden einen wesentlichen Teil geistes- und kulturwissenschaftlicher Forschung und gelten im Chicago Manual of Style (17. Auflage, Notes & Bibliography) als Primärquellen, die nicht wie Bücher oder Aufsätze, sondern als einzelne Archivstücke zitiert werden.

Chicago NB verlangt eine präzise Identifikation jedes einzelnen Stücks, da historische Manuskripte oft Unikate sind. Daher müssen Autor oder Urheber, genaue Datierung, Titel oder sachliche Beschreibung, die Archivsignatur sowie das aufbewahrende Archiv genannt werden.

Die Zitation erfolgt primär in der Fußnote, da Manuskripte nicht als veröffentlichte Werke gelten. Ein Eintrag im Literaturverzeichnis erfolgt nur in Ausnahmefällen (z. B. bei digital kuratierten Editionen, DOIs oder gedruckten Transkripten).

 
Wichtigste Regeln

Historische Manuskripte zitieren Chicago – Fußnoten & Endnoten

Chicago NB behandelt historische Manuskripte als unveröffentlichte Primärquellen, deren Identifikation durch präzise Angaben sicherzustellen ist. Anders als veröffentlichte Bücher oder Artikel besitzen sie keine standardisierten bibliografischen Daten, weshalb die Zitation auf Autor/Urheber, genaue Datierung, Stückbezeichnung und Archivangaben basiert.

Wichtig ist dabei:

Autor / Urheber

  • Die verfassende Person steht an erster Stelle; Empfänger werden nicht als Autor genannt.
  • Wenn der Autor unbekannt ist, übernimmt eine sachliche Beschreibung diese Position.

Datum

  • Manuskripte werden mit dem genauesten verfügbaren Datum zitiert (Jahr, Tag. Monat).
  • Falls das Datum unsicher ist, sind ca.-Angaben („ca. 1470“) oder „o. D.“ möglich.

Titel oder Beschreibung des Stücks

  • Da Manuskripte häufig keinen Titel tragen, wird eine inhaltliche Beschreibung in Satzanfangsgroßschreibung verwendet, z. B. Notiz zur Vorlesungsvorbereitung, Brief an Friedrich Schiller.

Gattungsangabe in eckigen Klammern

Chicago verlangt eine Materialangabe wie:

  • [Brief], [Handschrift], [Tagebuch], [Urkunde], [Notiz], [Skizze], [Protokoll] etc.

Signatur / Bestand / Archiv

Die eindeutige Lokalisierung des Stückes erfolgt durch:

  • Sammlungs- oder Nachlassbezeichnung
  • Signatur (z. B. „Cod. 123“, „NL-S 12, Bl. 5r“)
  • Name des Archivs (keine Ortsangabe notwendig, da Bestandteil des Namens)

Digitalisate mit DOI/URL

  • Ein DOI wird bevorzugt; stabile URLs dürfen angegeben werden.
  • Abrufdaten nur bei instabilen digitalen Beständen.

Literaturverzeichnis

  • Manuskripte erscheinen normalerweise nicht in der Bibliografie.
  • Ausnahmen:
    • digital kuratierte Edition mit DOI/URL
    • gedruckte wissenschaftliche Edition oder Transkription
    • veröffentlichte Faksimiles

Fehlerfreie Zitation nach Chicago Style

Quellen und das Literaturverzeichnis nach Chicago Style (Fußnoten/Autor-Datum). 🔎 Recherche bei Lücken + Abgleich!

Studentin Box
Im Text

Im Text zitieren: Historische Manuskripte nach Chicago – Fußnoten & Endnoten

Im Chicago-Fußnotensystem werden historische Manuskripte ausschließlich in den Fußnoten nachgewiesen, da sie unveröffentlichte Primärquellen sind. Jede Fußnote muss die genaue Identifikation des Stücks ermöglichen – durch Autor (falls bekannt), Datierung, Stückbeschreibung, Gattungsangabe und präzise Archivangabe.

Die folgenden Muster decken alle gängigen Varianten ab, die bei der Arbeit mit Archivquellen auftreten.

Standardfall: Manuskript mit bekanntem Autor

Dieser Fall gilt für Briefe, Notizen, Tagebucheinträge und andere Autographen, deren Verfasser bekannt ist.

Form (erste Nennung):
Vorname Nachname, Titel bzw. Beschreibung [Gattung], Signatur, Archivname, Datum.

Johann Wolfgang von Goethe, Brief an Friedrich Schiller [Brief], GSA 25/B/56, Goethe- und Schiller-Archiv, Weimar, 4. Mai 1800.

Weitere Nennung (Kurzform):

Goethe, Brief an Friedrich Schiller, 4. Mai 1800.

Manuskript ohne Titel – Beschreibung als Titel

Wenn kein offizieller Titel existiert, wird eine sachliche Beschreibung in Satzanfangsgroßschreibung verwendet.

Marie Curie, Notizen zur Radioaktivität [Handschrift], Curie-Papers, Box 4, Fasz. 7, Bibliothèque nationale de France, Paris, 2. November 1903.

Kurzform:

Curie, Notizen zur Radioaktivität.

Unbekannter Autor (Anonymes Manuskript)

In diesem Fall rückt die Beschreibung an die Autorenposition.

Protokoll der Werkbesprechung [Protokoll], Bestand PA 123, Staatsarchiv Hamburg, 1921.

Kurzform:

Protokoll der Werkbesprechung, 1921.

Manuskript mit circa-Datierung

Wenn das genaue Datum nicht bekannt ist, wird „ca.“ verwendet.

Stundenbuchfragment [Handschrift], Fragm. Hs. 9, Bayerische Staatsbibliothek, München, ca. 1470.

Kurzform:

Stundenbuchfragment, ca. 1470.

Manuskript mit vollständiger Foliierung oder Blattangabe

Für genaue Nachweise werden Blattangaben (recto/verso) ergänzt.

Max Planck, Schreiben an die Redaktion [Brief], PN/1900/10/19, Archiv der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, 19. Oktober 1900, Bl. 2r.

Kurzform:

Planck, Schreiben an die Redaktion, Bl. 2r.

Tagebuch- oder Journal-Eintrag

Lotte Schmidt, Eintrag zum Wiederaufbau [Tagebuch], NL-S 12, Bd. 3, Stadtarchiv Hamburg, 18. Juli 1946.

Kurzform:

Schmidt, Eintrag zum Wiederaufbau.

Amtsprotokoll / institutionelles Dokument

Wenn eine Institution der Urheber ist, wird sie als Autor genannt.

Preußische Akademie der Wissenschaften, Protokoll der Sitzung des Plenums [Protokoll], Bestand PAW A-15/3, Mappe 9, Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, 4. Dezember 1915.

Kurzform:

Preußische Akademie der Wissenschaften, Protokoll der Sitzung.

Digitalisate mit URL oder DOI

Wenn ein Digitalisat genutzt wird, steht am Ende der Fußnote eine URL oder vorzugsweise ein DOI.

Max Planck, Schreiben an die Redaktion [Brief], PN/1900/10/19, Archiv der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, 19. Oktober 1900, https://digital.bbaw.de/PN/1900_10_19.

Kurzform:

Planck, Schreiben an die Redaktion.

Archivkürzel und Sammlungsangaben

Chicago erlaubt die Nutzung offizieller Archivkürzel, sofern sie gängig sind.

Albert Einstein, Skizze zur Strahlungshypothese [Handschriftliche Skizze], EP-S 1903/1, Hebrew University Archives, ca. 1903.

Kurzform:

Einstein, Skizze zur Strahlungshypothese.

im Literaturverzeichnis

Literaturverzeichnis – Historische Manuskripte nach Chicago (Notes & Bibliography)

Historische Manuskripte gelten im Chicago-Fußnotensystem als unveröffentlichte Primärquellen. Solche Quellen werden nur in den Fußnoten zitiert und nicht in die Bibliografie aufgenommen.

Ein Eintrag im Literaturverzeichnis erfolgt ausschließlich in folgenden Ausnahmefällen:

  • wenn das Manuskript in einer edierten Sammlung veröffentlicht wurde,
  • wenn es als Teil einer wissenschaftlichen Edition erscheint,
  • wenn es als Faksimile mit Verlag publiziert wurde,
  • wenn es über eine digitale Edition mit DOI/Permalink erhältlich ist,
  • wenn ein Archivstück als selbstständiges Werk herausgegeben wurde.

Nur dann wird das Manuskript wie ein Buch oder Kapitel nachgewiesen.

Bestandteile eines Bibliografieeintrags (nur bei veröffentlichten Manuskripten)

Wenn ein Archivstück in einer publizierten Ausgabe erscheint, benötigt der Eintrag:

  1. Autor bzw. historische Urheberschaft
  2. Jahr der Edition (nicht das historische Originaldatum!)
  3. Titel der Edition / Werkbezeichnung
  4. Herausgeber („Hrsg. von …“ / „edited by …“)
  5. Band- und Abschnittsangaben, falls vorhanden
  6. Verlagsort und Verlag
  7. DOI oder stabile URL (falls digitale Edition)

Das Originaljahr kann ergänzend am Ende stehen – jedoch nur informativ, nicht als primäres Publikationsjahr.

Manuskript in einer wissenschaftlichen Edition

Beispiel:
Ein Brief Goethes, der in einer Herausgeberedition veröffentlicht wurde.

Bibliografie:
Goethe, Johann Wolfgang von. Briefe 1800–1805. Hrsg. von Renate Böschenstein-Schäfer. München: C. H. Beck, 1995.

Hinweis: Das Originaldatum (z. B. „Brief vom 4. Mai 1800“) erscheint NICHT in der Bibliografie, sondern in der Fußnote.

Manuskript als Kapitel in einer edierten Sammlung

Beispiel:
Historische Notizen, die in einem Sammelband ediert wurden.

Bibliografie:
Curie, Marie. „Notizen zur Radioaktivität.“ In Frühe Dokumente zur Radioaktivitätsforschung, hrsg. von Alain Pire, 33–41. Paris: CNRS Editions, 2018.

Digitalisierte Manuskripte mit DOI

Bibliografie:
Planck, Max. Scientific Correspondence, Volume 1: 1874–1902. Hrsg. von Dieter Hoffmann. Berlin: Akademie Verlag, 2014. https://doi.org/10.1234/planck.1874-1902.

Gedrucktes Faksimile

Bibliografie:
Einstein, Albert. Notebook on Special Relativity (1905). Faksimile-Ausgabe. Berlin: Springer, 2011.

Bilinguale oder kommentierte Editionen

Bibliografie:
Hildegard von Bingen. Visionary Writings / Visiones. Hrsg. und übers. von Peter Dronke. Oxford: Oxford University Press, 2008.

Herausgegebene Archivsammlung mit mehreren Autoren

Bibliografie:
Stadtarchiv Hamburg, Hrsg. Dokumente zur Stadtgeschichte: Handschriften 1750–1850. Hamburg: HafenCity Press, 2020.

Wann Manuskripte NICHT ins Literaturverzeichnis gehören

Nie eintragen, wenn es sich handelt um:

  • einen Brief, der nur im Archiv existiert (keine Edition),
  • Tagebücher, Notizen oder Protokolle, die nur als Archivbestand vorliegen,
  • Transkriptionen oder Scans ohne Verlag oder DOI,
  • digitale Archivbestände, die reine Reproduktionen sind (ohne editorische Bearbeitung).

Beispiele, die NICHT ins Literaturverzeichnis gehören:

  • Goethes Brief vom 4. Mai 1800
  • Planck Archivstück PN/1900/10/19
  • Einstein Skizze EP-S 1903/1

Diese Quellen werden nur in Fußnoten zitiert, nicht in der Bibliografie.

Sonderregeln

Sonderfälle für Historische Manuskripte zitieren nach Chicago – Fußnoten & Endnoten

Historische Manuskripte treten in der Praxis in vielen unterschiedlichen Formen auf – von unedierten Archivbeständen über digitalisierte Faksimiles bis hin zu kritisch edierten oder kommentierten wissenschaftlichen Ausgaben. Chicago erlaubt hier Flexibilität, verlangt aber immer: Die genutzte Version muss eindeutig identifizierbar sein.

Faksimiles, edierte oder transkribierte Versionen (anstelle des Originals verwendet)

Wird nicht das Originalmanuskript, sondern eine herausgegebene Edition genutzt, wird diese als Buch bzw. Kapitel zitiert – nicht als Archivmaterial.

Fußnote (edierte Ausgabe):

Hildegard of Bingen: Visions and Letters, Hrsg. Peter Dronke (Oxford: Oxford University Press, 2008), 45.

Bibliografie:

Hildegard of Bingen. Visions and Letters. Edited by Peter Dronke. Oxford: Oxford University Press, 2008.

Regel:
Der Editor ersetzt das Archiv. Originaljahr gehört nicht an die Jahresposition, sondern optional ins Nachwort oder in eine Anmerkung – nicht in die bibliografische Jahresangabe.

Digitalisierte Manuskripte mit DOI oder stabilem Permalink

Wenn ein Archivstück als wissenschaftlich kuratierte digitale Edition publiziert wurde, wird die digitale Edition wie ein Buch / eine Edition zitiert.

Fußnote:

Max Planck, Scientific Correspondence: Volume 1, 1874–1902, Hrsg. Dieter Hoffmann (Berlin: Akademie Verlag, 2014), https://doi.org/10.1234/planck.1874-1902.

Bibliografie:

Planck, Max. Scientific Correspondence: Volume 1, 1874–1902. Edited by Dieter Hoffmann. Berlin: Akademie Verlag, 2014. https://doi.org/10.1234/planck.1874-1902.

Archivstücke mit unklarem Datum (ca., Jahrhundert, Intervall)

Bei unsicherer Datierung erlaubt Chicago:

  • „ca.“ für ungefähre Jahresangaben
  • Jahrhundertangaben
  • Jahresintervalle, wenn belegt

Fußnote:

Anonymous, Illumination Fragment, ca. 1470, Fragm. 12, Bayerische Staatsbibliothek, Munich.

Bibliografie (nur wenn publizierte Edition existiert):

Anonymous. Illumination Fragment. In Medieval Manuscript Fragments, Hrsg. Anna Müller. Berlin: De Gruyter, 2019.

Mehrere Hände / Schreiber im selben Manuskript

Wenn mehrere Schreiber beteiligt waren, bleibt die inhaltliche Urheberschaft Autor. Hinweise zu „Hand A“, „Hand B“ kommen in die Stückbeschreibung.

Fußnote:

Philipp Melanchthon, Vorlesungsnotizen zur Rhetorik, 1531, Cod. M 31 (mit späteren Händen), Universitätsbibliothek Wittenberg.

Fragmente, Palimpseste, beschädigte Stücke

  • [Pergamentfragment]
  • [Papyrus]
  • [Palimpsest]
  • [Fragment]

Fußnote:

Anonymous, Evangelienzeile [Pergamentfragment], 6th century, Biblioteca Vaticana, Rome.


Archivstücke, die nur vor Ort einsehbar sind

Fußnote:

Walter Krupp, Fabrikhof Essen, Blick nach Osten [Fotografie], 1928, Historisches Archiv ThyssenKrupp, BK 1928/471 (Benutzung nur vor Ort möglich).

Archivierte Online-Fassungen (wenn das Original nicht mehr verfügbar ist)

Fußnote:

Planck Manuscript PN/1900/10/19 [Brief], Archiv BBAW, Berlin, accessed January 10, 2025, https://web.archive.org/...

Sekundärzitat aus einem Manuskript

Fußnote:

Johann Wolfgang von Goethe, Brief an Schiller, 1800, zitiert nach Peter Schneider, Goethes Briefe (Berlin: Humboldt Verlag, 2014), 55.

Bibliografie:

Schneider, Peter. Goethes Briefe. Berlin: Humboldt Verlag, 2014.

Manuskript in einer mehrbändigen Edition

Bibliografie:

Einstein, Albert. Collected Papers of Albert Einstein, Volume 5. Edited by John Stachel. Princeton: Princeton University Press, 1993.

Eigene Transkription eines Archivstücks

Fußnote:

Martin Luther, Glossen zum Römerbrief [Eigene Transkription], 1522, Ms. L8, Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek, Jena.


Zusammenfassung: Sonderfälle – Was Chicago verlangt

Sonderfall Fußnote Bibliografie
Archivstück (unveröffentlicht)✔️
Digitalisat ohne DOI✔️
Edition / Faksimile / kritische Ausgabe✔️✔️
DOI-Edition✔️✔️
Sekundärzitat✔️ (mit „zitiert nach“)
Palimpsest / Fragment✔️
Unsicheres Datum (ca./Jh.)✔️✔️
Nur vor Ort einsehbar✔️
Mehrbändige Edition✔️✔️
Eigene Transkription✔️

Verpflichtende und empfohlene Angaben

Was ist nach Chicago – Fußnoten & Endnoten für die Zitation von Historische Manuskripten verpflichtend und was wird empfohlen?

Fußnoten – verpflichtende & empfohlene Angaben

Angabe Verpflichtend Empfohlen / fakultativ
Autor / Verfasser Name der verfassenden Person oder Institution. Funktionszusätze oder Kontextangaben („Schreiber A“) nur in der Beschreibung.
Datum Genaues Datum, wenn vorhanden; sonst „ca.“ oder Jahrhundert; bei fehlender Datierbarkeit „o. D.“. Zusätze wie „frühe Fassung“, Intervalljahr (z. B. 1470–1480).
Titel oder sachliche Beschreibung Pflicht; nicht kursiv gesetzt. Präzisere Objektbeschreibung, Empfängernennung („Brief an …“).
Gattungsangabe Pflicht, z. B. [Brief], [Handschrift], [Tagebuch], [Pergamentfragment]. Genauere Materialangaben: [Palimpsest], [Papyrus], [Faksimile].
Sammlung / Nachlass Pflicht; eindeutige Bestandsbezeichnung. Ergänzung von Box, Mappe, Faszikel, Blattangaben.
Signatur Pflicht zur eindeutigen Identifikation. Blatt/Folio im Text zusätzlich vermerken (Bl. 12r).
Archiv / Institution Pflicht; Archivname ohne Ortsangabe. Archiv-Abteilung oder Fonds-Signatur.
URL / DOI Nur wenn ein digitales Faksimile / Edition verwendet wurde. DOI bevorzugt; URL nur stabil.
Abrufdatum Nur bei nicht stabilen oder veränderlichen Online-Quellen.
Zugangshinweis „Benutzung nur vor Ort möglich“ (falls relevant für Leser).
Sekundärzitat Pflichtform bei indirektem Zugriff („zitiert nach …“). Hinweis im Text, weshalb Original nicht zugänglich war.

Bibliografie – verpflichtende & empfohlene Angaben

(Nur für edierte, kommentierte, übersetzte oder digital kuratierte Ausgaben! Nicht für Archivmaterial im Original!)

Angabe Verpflichtend Empfohlen / fakultativ
Autor / Editor Wer die Edition herausgegeben oder bearbeitet hat. Ergänzende Editorrollen („transcribed by“, „annotated by“).
Jahr Erscheinungsjahr der Edition. Exaktes Datum (Tag/Monat) nur bei zeitbasierten Online-Editionen.
Titel der Edition Pflicht, kursiv. Zusätze wie „Critical Edition“, „Faksimile-Ausgabe“.
Übersetzer / Herausgeber Pflicht bei übersetzten/edierten Manuskripten. Zusätzliche Mitwirkende („unter Mitarbeit von …“).
Bandangaben Pflicht bei mehrbändigen Editionen. Paragraph-/Seitenbereich der kommentierten Teile.
Verlag Pflichtangabe. Ortsangabe entfällt bei Chicago NB nicht, wird aber oft fakultativ behandelt. Mehrere Verlage (Co-Publishing) angeben.
DOI / URL Pflicht bei digitalen oder DOI-basierten Editionen. Archiv-Permalink (z. B. Handle, ARK).
Editionstyp [Faksimile], [Transkription], [Kommentierte Ausgabe].
Originaljahr Nur im Kommentartext, nicht in der Jahresposition.
Archiv / Standort Nur relevant in Anmerkungen, nicht im Literaturverzeichnis.

Häufige Fragen & Antworten

Du hast noch weitere Fragen zur Zitation nach Chicago Stil, die du nicht in diesem Artikel beantwortet bekommen hast? Dann recherchiere weiter in der Wissensdatenbank für Chicago Stil Zitation hier bei 1a-Studi.

Historische Manuskripte werden im Chicago-Fußnotensystem als unveröffentlichte Primärquellen behandelt. Die vollständige Fußnote enthält in der Regel Autor oder Urheber, eine Stückbezeichnung bzw. Beschreibung, die Gattungsangabe in eckigen Klammern, Signatur und Bestand, Archivname sowie das möglichst genaue Datum, zum Beispiel: Johann Wolfgang von Goethe, Brief an Friedrich Schiller [Brief], GSA 25/B/56, Goethe- und Schiller-Archiv, Weimar, 4. Mai 1800.
Pflichtangaben sind der Name der verfassenden Person oder Institution (falls bekannt), das genaueste verfügbare Datum, eine sachliche Stückbezeichnung, die Gattungsangabe in eckigen Klammern, die Signatur mit Bestandskennzeichnung sowie der offizielle Archivname. Optional können Angaben zu Box, Mappe, Faszikel, Blatt oder Folio ergänzt werden, um die Fundstelle innerhalb des Bestandes weiter einzugrenzen.
Bei bekannten Autographen steht der Name der verfassenden Person am Anfang. Es folgt eine kurze Beschreibung des Stücks, die Gattungsangabe, die Signatur mit Bestandsangabe, der Archivname und das Datum. Ein Beispiel lautet: Marie Curie, Notizen zur Radioaktivität [Handschrift], Curie-Papers, Box 4, Fasz. 7, Bibliothèque nationale de France, Paris, 2. November 1903. In der Kurzform genügt später „Curie, Notizen zur Radioaktivität“ mit gegebenenfalls verkürztem Datum oder Blattangabe.
Fehlt ein offizieller Titel, ersetzt eine knappe Inhaltsbeschreibung in Satzanfangsgroßschreibung die Titelposition, zum Beispiel Protokoll der Werkbesprechung. Wenn der Verfasser unbekannt ist, beginnt die Fußnote mit dieser Beschreibung, gefolgt von der Gattungsangabe, Signatur, Archiv und Datum, etwa: Protokoll der Werkbesprechung [Protokoll], Bestand PA 123, Staatsarchiv Hamburg, 1921. Die Kurzform wiederholt die Beschreibung und das Jahr, beispielsweise „Protokoll der Werkbesprechung, 1921“.
Unsichere Datierungen werden mit „ca.“ oder Zeitintervallen notiert. Ein Stundenbuchfragment kann etwa mit „ca. 1470“ datiert werden: Stundenbuchfragment [Handschrift], Fragm. Hs. 9, Bayerische Staatsbibliothek, München, ca. 1470. Für Manuskripte mit größerem Zeitraum sind Angaben wie „1350–1370“ möglich. Bei gänzlich fehlender Datierung verwendet Chicago „o. D.“, um das Fehlen einer belastbaren Datumsangabe kenntlich zu machen.
Bei foliierten Manuskripten empfiehlt Chicago die Verwendung von Blattangaben mit „Bl.“ und recto/verso-Kennzeichnung. Eine Fußnote kann dann lauten: Max Planck, Schreiben an die Redaktion [Brief], PN/1900/10/19, Archiv der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, 19. Oktober 1900, Bl. 2r. Diese Angabe steht am Ende der Fußnote und ersetzt gewissermaßen eine Seitenzahl, insbesondere bei genauen wörtlichen Nachweisen oder eng abgegrenzten Textstellen.
Unedierte historische Manuskripte gelten als unveröffentlichte Archivstücke und erscheinen nach Chicago ausschließlich in Fußnoten, nicht jedoch im Literaturverzeichnis. Ein Eintrag in der Bibliografie wird nur dann angelegt, wenn eine wissenschaftliche Edition, eine gedruckte Transkription, ein Faksimileband oder eine kuratierte digitale Edition mit DOI bzw. stabilem Permalink genutzt wurde. In diesen Fällen wird die Edition wie ein normales Buch oder Kapitel bibliografisch geführt, nicht das einzelne Originalstück selbst.
Bei der Nutzung eines Digitalisats wird die übliche Archivangabe um DOI oder stabile URL ergänzt. Die Fußnote enthält Autor, Beschreibung, Gattungsangabe, Signatur, Archiv, Datum und abschließend die DOI oder URL, etwa: Max Planck, Schreiben an die Redaktion [Brief], PN/1900/10/19, Archiv der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, 19. Oktober 1900, https://digital.bbaw.de/PN/1900_10_19. Ein Abrufdatum ist nur erforderlich, wenn es sich nicht um eine versionierte oder dauerhaft stabile Edition handelt.
Wird mit dem originalen Archivstück gearbeitet, erfolgt der Nachweis als Manuskript mit Archivsignatur. Wird hingegen eine edierte Ausgabe, ein Faksimileband oder eine kritische Edition konsultiert, wird diese Edition als Buch oder Kapitel zitiert, zum Beispiel: Hildegard of Bingen, Visions and Letters, hrsg. von Peter Dronke (Oxford: Oxford University Press, 2008), 45. Das Archiv tritt in der Fußnote dann nicht mehr auf; maßgeblich ist allein die verwendete Ausgabe als zitierfähige Publikation.
Ist ein Manuskript nicht im Original einsehbar und nur über eine Sekundärliteratur bekannt, verlangt Chicago eine „zitiert nach“-Angabe. Die Fußnote nennt das Manuskript kurz und verweist anschließend auf die Sekundärquelle, etwa: Johann Wolfgang von Goethe, Brief an Schiller, 1800, zitiert nach Peter Schneider, Goethes Briefe (Berlin: Humboldt Verlag, 2014), 55. Im Literaturverzeichnis wird ausschließlich die Sekundärquelle aufgeführt, da diese die tatsächlich konsultierte Publikation darstellt.
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