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Chicago Style

Kunstwerke zitieren nach Chicago – Fußnoten

Kunstwerke zitieren nach Chicago (Fußnotenstil) – Einleitung

Kunstwerke – darunter Gemälde, Skulpturen, Fotografien, archäologische Objekte, Installationen, digitale Kunst oder Architektur – bilden eine besondere Kategorie von Quellen im Chicago Manual of Style (17th Hrsg., Notes & Bibliography). Sie gehören weder zur klassischen Literatur noch zu rein visuellen Medien, sondern werden als eigenständige Objekte mit klar definierten Urhebern, Datierungen und Standorten behandelt.

Im Chicago-Fußnotenstil erfolgt der Nachweis eines Kunstwerks direkt in der Fußnote, wobei Künstler, Werk, Datierung und Standort genannt werden. Im Literaturverzeichnis erscheinen Kunstwerke nur dann, wenn sie Bestandteil einer publizierten Sammlung, eines Ausstellungskatalogs oder einer wissenschaftlichen Edition sind. Wird jedoch das originale Werk selbst zitiert (z. B. ein Gemälde im Museum), genügt die Angabe in der Fußnote.

Ziel der Zitation ist dabei stets die eindeutige Identifizierbarkeit des Werkes: Wer hat es geschaffen, wann entstand es, wie lautet der Titel oder die Beschreibung, und wo befindet sich das Werk?

 
Wichtigste Regeln

Kunstwerke zitieren Chicago – Fußnoten & Endnoten

Kunstwerke werden im Chicago-Manual (17th Hrsg., Notes & Bibliography) wie einzigartige Objekte behandelt. Anders als Bücher oder Artikel besitzen sie häufig keinen Verlag, keine Auflage und keine Seitenzahlen. Stattdessen stehen Künstler, Werktitel, Datierung, Werkart und Standort im Zentrum der Zitation.

In der Fußnote wird das Kunstwerk vollständig beschrieben, sodass klar ersichtlich ist, welches konkrete Objekt gemeint ist. Das Literaturverzeichnis ist nur erforderlich, wenn das Kunstwerk Teil einer publizierten Quelle ist – etwa eines Ausstellungskatalogs oder einer reproduzierten Sammlung.

Nach Chicago gelten folgende Grundprinzipien:

  1. Künstlername (oder bei unbekanntem Urheber eine Werksbeschreibung) bildet den Ausgangspunkt.
  2. Datierung wird so präzise wie möglich angegeben (Jahr, circa-Angaben, Jahrhunderte).
  3. Titel wird kursiv gesetzt. Ist kein offizieller Titel vorhanden, wird eine knappe Beschreibung in eckigen Klammern verwendet.
  4. Werkart (z. B. [Öl auf Leinwand], [Skulptur], [Fotografie], [Keramik], [Gebäude]) steht ebenfalls in eckigen Klammern.
  5. Standort des Werkes (Museum, Archiv, Sammlung, Stadt) wird zwingend angegeben.
  6. URL oder DOI nur dann, wenn eine digitale Reproduktion maßgeblich verwendet wurde.
  7. Abrufdaten nur bei instabilen Onlinequellen.

Diese Elemente ermöglichen es, ein Werk eindeutig zu identifizieren – unabhängig davon, ob es sich um ein Museumsgemälde, ein Bauwerk im öffentlichen Raum oder ein digitales Kunstobjekt handelt.

Fehlerfreie Zitation nach Chicago Style

Quellen und das Literaturverzeichnis nach Chicago Style (Fußnoten/Autor-Datum). 🔎 Recherche bei Lücken + Abgleich!

Studentin Box
Im Text

Im Text zitieren: Kunstwerke nach Chicago – Fußnoten & Endnoten

Im Chicago-Fußnotenstil werden Kunstwerke ausschließlich in Fußnoten nachgewiesen. Die Fußnote steht direkt an der Stelle im Text, an der das Werk erwähnt, analysiert oder zitiert wird.

Da Kunstwerke keine Seitenzahlen besitzen und oft als einzelne Objekte existieren, besteht die Fußnote aus einer vollständigen Objektbeschreibung – Künstler, Titel, Datierung, Werkart und Standort.

Einzelnes Kunstwerk – bekannter Künstler (Regelfall)

In Fußnoten wird der Künstler genannt, gefolgt von Titel, Datierung, Werkart und Standort.

Beispiel:

Paula Modersohn-Becker, Selbstbildnis mit Kamelien, 1907, [Öl auf Leinwand], Kunsthalle Bremen, Bremen.

Kunstwerk ohne offiziellen Titel

Hat das Werk keinen vergebenen Titel, wird eine neutrale Beschreibung in eckigen Klammern eingesetzt.

Beispiel:

Dieter Roth, [Ohne Titel, Schokoladenobjekt], 1969, [Objektkunst], Museum moderner Kunst, Wien.

Unbekannter Urheber

Wenn der Künstler nicht bekannt ist, tritt die Werksbezeichnung bzw. Beschreibung an die Autorposition.

Beispiel:

Madonna mit Kind, ca. 1500, [Tafelmalerei], Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München.

Kunstwerk im öffentlichen Raum (Skulpturen, Denkmäler, Installationen)

Standortangabe ist zwingend (Park, Platz, Stadt).

Beispiel:

Henry Moore, Reclining Figure, 1961, [Skulptur], Yorkshire Sculpture Park, Wakefield.

Architektur / Bauwerke

Architekt/in oder Schule gilt als Urheber; Standort ist obligatorisch.

Beispiel:

Ludwig Mies van der Rohe, Barcelona-Pavillon, 1929, [Gebäude], Barcelona, Spanien.

Fotografie oder Grafik / Druckgrafik

Der Fotograf oder Künstler wird genannt; Werkart entsprechend angeben.

Beispiel:

Thomas Struth, Museumsbesucher, 1990, [Fotografie], Museum Folkwang, Essen.

Video-, Medien- oder Digitalkunst

Bei zeitbasierten Medien ist das Werkmaterial anzugeben, ggf. die Plattform bei digitaler Wiedergabe.

Beispiel:

Bill Viola, The Passing, 1991, [Videoarbeit], The J. Paul Getty Museum, Los Angeles.

Antike oder kulturhistorische Objekte

Der Kulturkreis ersetzt die Künstlerangabe.

Beispiel:

Attisch, Amphora mit schwarzfiguriger Malerei, 6. Jh. v. Chr., [Keramik], Antikensammlung, Berlin.

Digitale Reproduktion eines Kunstwerks

Wenn eine digitale Quelle verwendet wurde, URL angeben. Abrufdatum nur wenn die Quelle veränderlich ist.

Beispiel:

Pierre-Auguste Renoir, Bal du moulin de la Galette, 1876, [Öl auf Leinwand], Musée d’Orsay, Paris, https://www.musee-orsay.fr/.

Archivierte oder schwer zugängliche Reproduktionen

Bei nicht mehr verfügbaren digitalen Quellen wird eine Archiv-URL angegeben.

Beispiel:

E-Learning-Initiativen 2016, Abbildung von Bal du moulin de la Galette, Internet Archive, https://web.archive.org/web/20160610123456/…

Mehrere Kunstwerke in einer Fußnote

Werden Werke eines Künstlers oder mehrere Künstler verglichen, werden die Objekte mit Semikolon getrennt.

Beispiel:

Modersohn-Becker, Selbstbildnis mit Kamelien; Struth, Museumsbesucher.

Wiederholte Zitate eines Kunstwerks

Chicago erlaubt für eng aufeinanderfolgende Wiederholungen ein ebd., sofern eindeutig.

Beispiel:

Modersohn-Becker, Selbstbildnis mit Kamelien.

Ebd.

im Literaturverzeichnis

Literaturverzeichnis – Kunstwerke nach Chicago (Notes & Bibliography)

Im Chicago-Fußnotensystem werden Kunstwerke nur dann im Literaturverzeichnis aufgenommen, wenn sie in einer publizierten Form verfügbar sind – also als

  • Abbildung in einem Buch oder Katalog,
  • Teil eines Museums-, Archiv- oder Ausstellungskatalogs,
  • digital kuratierte Edition mit stabiler URL oder DOI,
  • Werkverzeichnis (Catalogue Raisonné).

Wird das Kunstwerk direkt (als Objekt) zitiert – also Gemälde im Museum, Skulptur im Stadtraum, Architektur vor Ort – wird keine bibliografische Angabe erstellt. Die Fußnote allein genügt.

Nur Sekundärquellen über Kunstwerke gehören in das Literaturverzeichnis, nicht das Originalobjekt.

Im Folgenden stehen alle bibliografischen Formen, die Chicago 17 erlaubt.

Kunstwerk in einem Ausstellungskatalog (Standardfall)

Eintrag wie ein Kapitel in einem Herausgeberband oder Bildnachweis.

Form:
Nachname, Vorname. Titel des Werks, Jahr. In Titel des Ausstellungskatalogs, Herausgeber, Seiten oder Katalognummer. Ort: Verlag, Jahr.

Modersohn-Becker, Paula. Selbstbildnis mit Kamelien, 1907. In Paula Modersohn-Becker: Die Retrospektive, hrsg. von Frank Schmidt, 112. Bremen: Kunsthalle Bremen, 2020.

Kunstwerk in einem Museumskatalog / Sammlungskatalog

Struth, Thomas. Museumsbesucher, 1990. In Museum Folkwang: Sammlungskatalog Fotografie, 215. Essen: Museum Folkwang, 2018.

Kunstwerk in einem Werkverzeichnis (Catalogue Raisonné)

Form:
Nachname, Vorname. Titel des Werks, Jahr. In Catalogue Raisonné, Bandangabe, Eintragsnummer (Nr. …). Ort: Verlag, Jahr.

Goya, Francisco. Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer, 1799. In Goya: Catalogue Raisonné, Bd. 2, Nr. 512. Madrid: Museo del Prado, 2008.

Digital kuratierte Abbildung (mit stabiler URL oder DOI)

Wird eine digitale Abbildung aus einer offiziellen Museumsquelle verwendet, gehört diese ins Literaturverzeichnis.

Renoir, Pierre-Auguste. Bal du moulin de la Galette, 1876. Musée d’Orsay. https://www.musee-orsay.fr/…

Beispiel mit DOI:

Vermeer, Johannes. Mädchen mit dem Perlenohrring, 1665. Mauritshuis. https://doi.org/10.1234/mh.vermeer.1665

Kunstwerk in einem wissenschaftlichen Artikel oder Buch reproduziert

Hier wird das Buch oder der Artikel zitiert, nicht das Kunstwerk selbst.

Schmidt, Lukas. Einführung in die Kunstgeschichte. München: Beck, 2020.

In der Abbildungsliste der Arbeit:
Abb. 3: P. A. Renoir, Bal du moulin de la Galette, 1876, Musée d’Orsay, Paris.

Architektur / Bauwerke in Publikationen

Wenn ein Bauwerk in einem Architekturband analysiert wird, erscheint der Band in der Bibliografie.

Neumeyer, Fritz. Mies van der Rohe: Das gebaute Werk. Berlin: Siedler, 2014.

Antike und kulturhistorische Objekte in wissenschaftlichen Publikationen

Attisch. Amphora mit schwarzfiguriger Malerei, 6. Jh. v. Chr.. In Masterpieces of Greek Ceramics, 55. Berlin: Antikensammlung, 2015.

Performance- und Videokunst – kuratierte Editionen

Wenn die Performance nur als Dokumentation verfügbar ist, wird diese Quelle angegeben.

Abramović, Marina. Rhythm 0, 1974. In Marina Abramović: Artist Files Online. Neapel: Archivio d’Arte Contemporanea, 2021. https://archivio-arte.it/…

Digitale Kunst und NFTs

Chicago erlaubt die Angabe des Plattformnamens wie bei digitalen Medien.

Rafaël, Ryoji. Field, 2012. ZKM Medienarchiv. https://zkm.de/field

Kunstwerk ohne Titel oder ohne Künstler (in Publikationen)

Madonna mit Kind, ca. 1500. In Medieval Art in Bavaria, 214. München: Hirmer, 2019.

Sonderregeln

Sonderfälle für Kunstwerke zitieren nach Chicago – Fußnoten & Endnoten

Neben den Regelfällen für Kunstwerke in Fußnoten und im Literaturverzeichnis treten Konstellationen auf, die in Chicago 17 zwar berücksichtigt, in Praxisanleitungen jedoch häufig nur am Rand behandelt werden. Das folgende Kapitel bündelt diese besonderen Fälle und zeigt, wie Kunstwerke in Grenzsituationen konsistent und regelkonform nachgewiesen werden können.

Unklare Datierung: circa-Angaben, Datumsbereiche, fehlende Datierung

Bei Kunstwerken ist die Datierung häufig nicht exakt bekannt. Chicago sieht dafür standardisierte Kurzformen vor.

Circa-Datierung

Wenn das Entstehungsjahr nur ungefähr bekannt ist, wird die Datierung mit „ca.“ (oder „c.“ im englischen Original) gekennzeichnet.

Beispiel Fußnote:

Caspar David Friedrich, Der Mönch am Meer, ca. 1808–1810, [Öl auf Leinwand], Alte Nationalgalerie, Berlin.

Wichtig ist eine einheitliche Schreibweise innerhalb der gesamten Arbeit. Entweder durchgehend „ca.“ oder durchgehend „c.“ verwenden.

Datierungsbereiche

Bei Werken mit längerer Entstehungszeit werden Anfangs- und Endjahr mit Gedankenstrich verbunden:

  • 1950–1955 für einen abgeschlossenen Zeitraum
  • 1790–ca. 1800 bei einem Mischfall aus sicherem und unsicherem Datum

Fehlende Datierung („ohne Jahr“)

Wenn keine Datierung ermittelt werden kann, setzt Chicago „n.d.“ (no date). In deutschsprachigen Arbeiten ist alternativ „o. J.“ üblich. Wichtig ist eine konsequente Entscheidung für eine der beiden Varianten.

Beispiel Fußnote:

Unbekannt, [Heiligenfigur], n.d., [Holzskulptur], Diözesanmuseum, Köln.

Mehrere Fassungen, Serien und Güsse

Viele Kunstwerke existieren in mehreren Fassungen, Serien oder als limitierte Auflage. Ein präziser Nachweis muss deutlich machen, welches Exemplar gemeint ist.

Mehrere Fassungen desselben Motivs

Bei Werken, die in mehreren Versionen vorliegen, werden zusätzliche Identifikatoren ergänzt:

  • Angabe von „Version“, „Fassung“ oder „Studie“
  • Datierung präzisieren, wenn die Fassungen unterschiedlichen Jahren zugeordnet sind
  • ggf. Werkverzeichnis- oder Katalognummer ergänzen

Beispiel Fußnote:

Claude Monet, Seerosen (Version II), 1916, [Öl auf Leinwand], Musée de l’Orangerie, Paris.

Serielle Arbeiten und mehrteilige Werke

Bei Serien wird entweder das Einzelblatt oder die gesamte Serie zitiert. Die Entscheidung orientiert sich an der Analyseeinheit im Text.

Einzelblatt:

Andy Warhol, Marilyn Diptych (rechter Flügel), 1962, [Siebdruck], Tate Modern, London.

Serie als Ganzes:

Hito Steyerl, How Not to Be Seen: A Fucking Didactic Educational .MOV File, 2013, [Videoarbeit, Mehrkanalinstallation], Sammlung XYZ, Berlin.

Skulpturen in Auflage (Güsse)

Bei Skulpturen in gegossenen Auflagen wird die Gussnummer angegeben, sofern bekannt.

Beispiel Fußnote:

Auguste Rodin, Der Denker, 1880, Guss 4/8, [Bronze], Musée Rodin, Paris.

Wenn die Gussnummer nicht bekannt ist, wird zumindest die Sammlung eindeutig benannt, um das konkret betrachtete Exemplar zu identifizieren.

Werkverzeichnisnummern und Inventarnummern

In der kunsthistorischen Forschung ist es häufig sinnvoll oder erforderlich, zusätzlich Werkverzeichnis- (WVZ) oder Inventarnummern zu ergänzen. Diese Information erhöht die Eindeutigkeit erheblich, insbesondere bei häufig reproduzierten Werken.

Beispiel Fußnote:

Pablo Picasso, Guernica, 1937, [Öl auf Leinwand], Museo Reina Sofía, Madrid, Inv.-Nr. DE00050.

Private Sammlungen und wechselnde Standorte

Kunstwerke befinden sich nicht immer in öffentlichen Museen. Chicago erlaubt die Angabe von privaten Sammlungen, Leihgaben und temporären Standorten, fordert jedoch eine transparente Kennzeichnung.

Private Sammlungen

Bei privaten Sammlungen wird zunächst „Privatsammlung“ angegeben, danach ggf. die Stadt.

Beispiel Fußnote:

Gerhard Richter, Abstraktes Bild, 1989, [Öl auf Leinwand], Privatsammlung, Zürich.

Wenn aus Gründen des Datenschutzes nur „Privatsammlung“ ohne Ortsangabe genannt werden darf, genügt diese Information. In wissenschaftlichen Kontexten ist die zusätzliche Ortsangabe jedoch häufig möglich und erwünscht.

Leihgaben und temporäre Ausstellungen

Wenn ein Werk bei der Analyse in einer Ausstellung gesehen wurde, sich regulär jedoch in einer anderen Sammlung befindet, gibt es zwei Varianten:

  • Nur die Dauersammlung nennen (Standardfall).
  • Zusätzlich die Ausstellungssituation erläutern, wenn diese forschungsrelevant ist.

Beispiel Fußnote (mit Leihgabe):

Edvard Munch, Der Schrei, 1893, [Tempera und Öl auf Karton], Nationalmuseum Oslo, gesehen in der Ausstellung „Expressionismus in Europa“, Kunstmuseum Basel, 2023.

Kunstwerke als Abbildungen: Bildunterschrift, Abbildungsverzeichnis und Fußnote

Chicago unterscheidet zwischen der Zitation eines Kunstwerks als Forschungsgegenstand und der bloßen Reproduktion in Form einer Abbildung. Für Abbildungen sieht Chicago zusätzlich eine Bildunterschrift bzw. ein Abbildungsverzeichnis vor.

Mindestangaben in Bildunterschriften

Empfohlen werden in Bildunterschriften folgende Elemente:

  • Künstlername
  • Werktitel (kursiv)
  • Entstehungsjahr bzw. Datierung
  • Werkart und ggf. Maße
  • Standort (Sammlung, Museum, Stadt)
  • bei Reproduktionen zusätzlich „Reproduziert nach:“ mit Quellenangabe

Beispiel Bildunterschrift:

Abb. 3: Sidney Nolan, The Encounter, 1946, Email auf Hartfaserplatte, 90,4 × 121,2 cm, National Gallery of Australia, Canberra. Reproduziert nach: National Gallery of Australia.

Verhältnis von Bildunterschrift und Fußnote

Für wissenschaftliche Arbeiten ist eine klare Trennung hilfreich:

  • Die Bildunterschrift beschreibt das Kunstwerk und seine Herkunft.
  • Die Fußnote belegt die Quelle, aus der die Reproduktion stammt (Buch, Aufsatz, Museumshomepage, lizenzierte Datenbank), sofern es sich nicht um ein selbst erstelltes Foto handelt.

Wenn das Kunstwerk im Text ausführlich analysiert wird, sollte die erste ausführliche Fußnote an der Stelle der inhaltlichen Analyse stehen, nicht ausschließlich bei der Abbildung.

Eigene Fotografien

Eigene Aufnahmen von Kunstwerken werden in Bildunterschriften als solche gekennzeichnet, zum Beispiel:

Foto: eigener Bestand, aufgenommen am 15.08.2024, Museum XYZ, Berlin.

In einer Fußnote wird nur dann eine zusätzliche Quelle benötigt, wenn die Analyse auf externen Publikationen oder Katalogen basiert, nicht allein auf der eigenen Beobachtung.

Digitale Bilddatenbanken, lizenzierte Inhalte und nicht-offizielle Quellen

Neben offiziellen Museumswebseiten existiert eine Vielzahl digitaler Bilddatenbanken, von frei zugänglichen Plattformen bis zu lizenzierten Fachdatenbanken. Chicago empfiehlt, nach Möglichkeit die offizielle Institution als Quelle zu nutzen.

Offizielle Museumsportale und DOIs

Wenn eine Abbildung in einem offiziellen Museumsportal oder einer kuratierten Online-Edition mit stabiler URL oder DOI verfügbar ist, sollte diese Variante bevorzugt werden.

Beispiel Bibliografie:

Renoir, Pierre-Auguste. Bal du moulin de la Galette, 1876. Musée d’Orsay. https://www.musee-orsay.fr/…

DOIs sind gegenüber einfachen URLs vorzuziehen, da sie eine langfristigere Auffindbarkeit gewährleisten.

Lizenzierte Fachdatenbanken (z. B. Artstor, Bildarchive)

Bei lizenzierten Bilddatenbanken wird neben Werkangaben auch die Datenbank genannt:

Beispiel Fußnote:

Georgia O’Keeffe, The Cliff Chimney, 1938, [Öl auf Leinwand], Milwaukee Art Museum, Zugriff über Artstor, https://…

Im Literaturverzeichnis wird in der Regel die Datenbank als Quelle angegeben, analog zu digitalen Medien.

Community-Plattformen und nicht-offizielle Reproduktionen

Reproduktionen auf Plattformen wie Wikimedia Commons, Flickr oder ähnlichen Seiten sind aus urheberrechtlichen und qualitätsbezogenen Gründen mit Vorsicht zu verwenden. Wenn keine offizielle oder kuratierte Quelle verfügbar ist, wird:

  • das Kunstwerk nach den üblichen Regeln beschrieben,
  • die Plattform als Fundort genannt,
  • nach Möglichkeit die Lizenz (z. B. Creative Commons) angegeben.

Wo immer möglich, sollte dennoch eine autoritative Quelle (Museumsseite, wissenschaftliche Publikation) gesucht und bevorzugt zitiert werden.

Wandtexte, Saaltexte und Ausstellungsmaterialien

Kuratorische Texte, Wandbeschriftungen und Saaltexte sind in der Regel nicht mit einem Verlag oder einer standardisierten Publikationsform versehen. Chicago behandelt solche Materialien ähnlich wie unveröffentlichte Dokumente oder Archivquellen.

Wandtexte ohne Autorenangabe

Wenn in der Ausstellung kein Autor genannt ist, wird der Text als institutionelle Quelle behandelt:

Beispiel Fußnote:

Wandtext „Renoir und der Impressionismus“, Ausstellung „Licht und Farbe“, Museum XYZ, Berlin, besucht am 12.06.2024.

Dieser Wandtext ersetzt keine Zitation des Kunstwerks selbst, sondern belegt eine interpretative oder historische Aussage.

Kuratoren und Autoren kuratorischer Beiträge

Wenn der Wandtext namentlich verantwortet ist, kann der Kurator als Autor genannt werden:

Beispiel Fußnote:

Maria Müller, Wandtext zur Sektion „Früher Expressionismus“, Ausstellung „Stadt und Gefühl“, Kunsthalle Hamburg, 2023.

Solche Wandtexte erscheinen in der Regel nicht im Literaturverzeichnis, sondern nur in Fußnoten, da sie nicht dauerhaft und nur lokal zugänglich sind.

Kanonische Werke und rein beschreibende Erwähnungen

Chicago weist darauf hin, dass Informationen zu Kunstwerken häufig direkt im Fließtext gegeben werden können. In vielen Fällen ist bei bekannten Werken keine gesonderte Bibliografieangabe erforderlich.

Erwähnung ohne analytische Vertiefung

Wenn ein Werk lediglich illustrativ genannt wird, kann die vollständige Angabe im Text erfolgen:

In Claude Monets Gemälde Impression, soleil levant (1872, Musée Marmottan Monet, Paris) wird ein frühes Konzept impressionistischer Lichtbeobachtung sichtbar.

Eine zusätzliche Fußnote ist in dieser Konstellation nicht zwingend, sofern keine speziellen Literaturquellen zu diesem Werk herangezogen werden.

Ausführliche Analyse und kunsthistorische Argumentation

Sobald ein Werk Gegenstand einer detaillierten Analyse oder eines argumentativen Abschnitts ist, sollte wenigstens bei der ersten Erwähnung eine vollständige Fußnote nach dem oben erläuterten Schema gesetzt werden. Dadurch bleibt die wissenschaftliche Nachvollziehbarkeit gesichert, insbesondere wenn mehrere Fassungen oder Reproduktionen existieren.

Abgrenzung zu nicht zitationspflichtigen Kunstquellen

Schließlich existiert eine Gruppe visueller Quellen, die Chicago ausdrücklich von der Aufnahme in das Literaturverzeichnis ausnimmt. Dazu gehören nach Chicago 17 vor allem:

  • rein dekorative oder illustrativ verwendete Bilder ohne analytische Funktion,
  • sehr bekannte Standardwerke, deren Angaben vollständig im Text erfolgen,
  • grafische Elemente wie Werbeanzeigen, Karten, Cartoons, die ausschließlich im Text erläutert werden.

Für Abschlussarbeiten empfiehlt sich jedoch eine eher konservative Praxis: Sobald ein Kunstwerk in der Argumentation eine Rolle spielt oder im Anhang bzw. Abbildungsverzeichnis erscheint, sollte zumindest eine Fußnote mit vollständiger Objektangabe gesetzt werden.

Verpflichtende und empfohlene Angaben

Was ist nach Chicago – Fußnoten & Endnoten für die Zitation von Kunstwerken verpflichtend und was wird empfohlen?

Kunstwerke zitieren in Fußnoten (Chicago NB)

Angabe Verpflichtend Empfohlen / fakultativ
Name des Künstlers / Kulturkreises Pflicht (falls bekannt) Bei anonymen Werken „Titel/Objektbeschreibung“ als Ersatz
Jahr / Datierung Pflicht (exaktes Jahr oder „ca.“-Angabe) Jahrhundertangabe oder Zeitspanne, falls nötig
Titel des Werks Pflicht; kursiv, falls vorhandener offizieller Titel Bei fehlendem Titel Beschreibung in eckigen Klammern („[Ohne Titel, Landschaftsdarstellung]“)
Werkart (z. B. [Öl auf Leinwand], [Skulptur]) Pflicht Genaue Materialangabe, wenn relevant („[Bronzeguss]“, „[Pergament]“)
Standort des Originals (Museum, Stadt) Pflicht Inventarnummer zur zusätzlichen Identifikation
Fundstellenangabe in Publikationen Nur notwendig, wenn Kunstwerk über Katalog/Edition zitiert wird Katalognummer, Seitenzahl oder Eintragsnummer (z. B. Nr. 512)
Format: Original vs. Reproduktion Pflicht: Kennzeichnen, ob Original vor Ort oder Abbildung in Publikation Hinweis auf Abbildungstyp (Foto, Scan)
URL / DOI für digitale Abbildungen Pflicht bei digitalen Quellen Abrufdatum bei dynamischen Archiven

Kunstwerke im Literaturverzeichnis (Chicago NB)

Bibliografie-Einträge (nur wenn Kunstwerk über Sekundärquelle vorliegt!)

Angabe Verpflichtend Empfohlen / fakultativ
Autor/Herausgeber der Publikation Pflicht (wenn Katalog/Edition zitiert) Zusätzliche Bearbeiter: „unter Mitarbeit von …“
Titel der Publikation (z. B. Ausstellungskatalog) Pflicht; kursiv Untertitel vollständig übernehmen
Titel des Kunstwerks in Eintrag Pflicht, wenn Werk zentraler Bestandteil der Quelle ist Katalognummer oder Eintragsnummer
Ort & Verlag Pflicht nach Chicago Mehrere Verlage mit Semikolon trennen
Erscheinungsjahr Pflicht Exaktes Datum bei Online-Publikationen
DOI oder URL Pflicht für digitale Editionen Persistente Identifikatoren bevorzugen (DOI > URL)
Band/Teilnummer Pflicht bei mehrbändigen Katalogen Seitenbereich oder Objektbereich
Editionstyp (z. B. „Catalogue Raisonné“, „Ausstellungskatalog“) Pflicht, wenn Bestandteil des Titels Hinweise wie „revised edition“, „critical edition“
Reproduktion in Publikation Pflicht: Es wird die Publikation zitiert, nicht das Original Abbildungsnummern im Abbildungsverzeichnis

Häufige Fragen & Antworten

Du hast noch weitere Fragen zur Zitation nach Chicago Stil, die du nicht in diesem Artikel beantwortet bekommen hast? Dann recherchiere weiter in der Wissensdatenbank für Chicago Stil Zitation hier bei 1a-Studi.

In der Fußnote werden Künstlername, Werktitel kursiv, Datierung, Werkart in eckigen Klammern und Standort genannt, zum Beispiel: Paula Modersohn-Becker, Selbstbildnis mit Kamelien, 1907, [Öl auf Leinwand], Kunsthalle Bremen, Bremen. Diese Angaben reichen aus, um das konkrete Objekt eindeutig zu identifizieren; ein Verlags- oder Auflagennachweis entfällt bei Originalwerken.
Pflichtangaben sind der Name des Künstlers oder Kulturkreises, die Datierung (Jahr, ca.-Angabe oder Zeitraum), der Titel des Werkes bzw. eine beschreibende Bezeichnung, die Werkart in eckigen Klammern sowie der Standort mit Sammlung oder Museum und Stadt. Optional können Inventarnummern, Katalognummern oder Materialangaben zur weiteren Präzisierung ergänzt werden, insbesondere bei häufig reproduzierten Werken oder Serien.
Fehlt ein offizieller Titel, ersetzt eine knappe Beschreibung in eckigen Klammern den Werktitel, zum Beispiel „[Ohne Titel, Schokoladenobjekt]“. Bei unbekannter Urheberschaft rückt die Werksbezeichnung an die erste Stelle, etwa: Madonna mit Kind, ca. 1500, [Tafelmalerei], Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München. Der Kulturkreis („attisch“, „romanisch“ etc.) kann die Künstlerangabe ersetzen, wenn individuelle Autorschaft nicht überliefert ist.
Für Werke im öffentlichen Raum werden Urheber, Titel, Datierung, Werkart und ein präziser Standort genannt. Bei Skulpturen und Installationen stehen Künstler, Werkbezeichnung, Jahr und [Skulptur] bzw. [Installation] vor Ort und Stadt, zum Beispiel: Henry Moore, Reclining Figure, 1961, [Skulptur], Yorkshire Sculpture Park, Wakefield. Architektur erhält zusätzlich den Hinweis [Gebäude], etwa: Ludwig Mies van der Rohe, Barcelona-Pavillon, 1929, [Gebäude], Barcelona, Spanien.
Bei digitalen Reproduktionen werden zunächst Künstler, Titel, Datierung, Werkart und physischer Standort wie bei Originalen genannt, anschließend die offizielle Museumswebsite oder Plattform mit URL. Ein Beispiel lautet: Pierre-Auguste Renoir, Bal du moulin de la Galette, 1876, [Öl auf Leinwand], Musée d’Orsay, Paris, https://www.musee-orsay.fr/. Ein Abrufdatum ist nur erforderlich, wenn die digitale Quelle instabil oder deutlich veränderlich ist.
Das originale Kunstwerk erscheint nach Chicago in der Regel nur in Fußnoten. Ein Eintrag im Literaturverzeichnis ist erst erforderlich, wenn das Werk über eine publizierte Quelle konsultiert wurde, etwa einen Ausstellungskatalog, ein Werkverzeichnis, einen Sammlungskatalog oder eine kuratierte Online-Edition. In solchen Fällen wird die Publikation bibliografisch nachgewiesen, während das Kunstwerk selbst Teil des Kapitels oder Katalogeintrags ist und dort über Seiten- oder Katalognnummern identifizierbar bleibt.
Unsichere Datierungen werden mit „ca.“ oder durch Zeitspannen ausgewiesen. Beispiele sind „ca. 1808–1810“ oder „6. Jh. v. Chr.“ für antike Objekte. Fehlt eine Datierung vollständig, kann „o. J.“ oder „n.d.“ verwendet werden, etwa: Unbekannt, [Heiligenfigur], o. J., [Holzskulptur], Diözesanmuseum, Köln. Wichtig ist eine konsistente Schreibweise innerhalb der gesamten Arbeit, damit die zeitliche Einordnung der Werke klar und vergleichbar bleibt.
Bei mehreren Fassungen oder Auflagen eines Werkes werden zusätzliche Identifikatoren ergänzt, etwa „Version“, „Studie“ oder Gussnummern. Eine Fußnote kann zum Beispiel lauten: Auguste Rodin, Der Denker, 1880, Guss 4/8, [Bronze], Musée Rodin, Paris. Bei seriellem Arbeiten oder mehrteiligen Installationen wird entweder das analysierte Einzelstück oder die gesamte Serie benannt, abhängig von der gewählten Analyseeinheit im Text. Werkverzeichnis- oder Inventarnummern erhöhen zusätzlich die Eindeutigkeit.
Bildunterschriften beschreiben in erster Linie das Kunstwerk selbst: Künstler, Titel, Datierung, Werkart, Maße und Standort. Die Fußnote belegt die Quelle der Reproduktion, etwa einen Katalog, eine Museumswebsite oder eine Datenbank. Das Abbildungsverzeichnis fasst alle verwendeten Abbildungen mit Kurzangaben zusammen. Für eine wissenschaftliche Analyse sollte bei der ersten inhaltlichen Besprechung des Werkes zusätzlich eine vollständige Fußnote nach Chicago gesetzt werden, damit Herkunft und Identität des Objekts zweifelsfrei dokumentiert sind.
Eigene Aufnahmen werden in Bildunterschriften als solche kenntlich gemacht, etwa „Foto: eigene Aufnahme, Museum XYZ, 15.08.2024“. Eine zusätzliche Fußnote ist nur nötig, wenn die Interpretation auf externen Quellen beruht. Reproduktionen aus nicht-offiziellen Plattformen wie Wikimedia Commons oder Flickr werden möglichst vermieden; falls keine bessere Quelle verfügbar ist, erfolgt die übliche Werkbeschreibung, ergänzt um Plattformname, URL und gegebenenfalls Lizenzangabe. Vorzugswürdig bleiben stets offizielle Museumsportale oder kuratierte Fachdatenbanken.
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