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Harvard-Zitierweise für Gesetze und Gesetzestexte

Wenn du Gesetze nach Harvard zitieren möchtest, entsteht ein wichtiger Sonderfall: Ein Gesetz wird normalerweise nicht wie ein Fachbuch mit Autor und Erscheinungsjahr belegt. Stattdessen verweist du direkt auf die betreffende Rechtsnorm, zum Beispiel § 433 Abs. 1 S. 1 BGB oder Art. 3 Abs. 1 GG.

Dabei musst du unterschiedliche Rechtsquellen auseinanderhalten. Bundes- und Landesgesetze, Grundgesetz, Rechtsverordnungen, EU-Verordnungen und Richtlinien werden anders behandelt als Gesetzentwürfe, Bundestagsdrucksachen oder andere Gesetzgebungsmaterialien. Dieser Artikel zeigt dir die wichtigsten Harvard-Beispiele und erklärt, wann ein Normverweis genügt und wann weitere bibliografische Angaben erforderlich werden.

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Gesetze nach Harvard zitieren

Grundprinzip

Gesetz nach Harvard zitieren: Warum der Beleg anders aussieht

Der normale Harvard-Kurzbeleg folgt dem Autor-Jahr-Prinzip:

(Müller 2024: 18)

Bei einem Gesetz funktioniert dieses Schema jedoch häufig nicht. Das Gesetz besitzt keinen wissenschaftlichen Autor, dessen Nachname als Harvard-Kurzbeleg verwendet werden müsste. Entscheidend ist vielmehr die eindeutig bezeichnete Rechtsnorm.

Ein typischer Gesetzesverweis sieht deshalb beispielsweise so aus:

§ 433 Abs. 1 S. 1 BGB

oder bei einem Gesetz, das in Artikel gegliedert ist:

Art. 3 Abs. 1 GG

Harvard-Sonderfall Gesetz

Gesetze werden nicht automatisch in das Schema „Autor – Jahr – Seite“ gezwungen. Der präzise Normverweis übernimmt die Funktion der Fundstellenangabe.

Die allgemeinen Regeln für die Harvard-Zitation wissenschaftlicher Literatur findest du unter Harvard-Zitation. Auf dieser Seite geht es ausschließlich um Rechtsnormen und Gesetzgebungsmaterialien.

Rechtsquellen unterscheiden

Welche Gesetze und Rechtsquellen kannst du nach Harvard zitieren?

Für eine wissenschaftliche Arbeit solltest du zunächst bestimmen, mit welcher Art von Rechtsquelle du tatsächlich arbeitest.

Rechtsquelle Beispiel Typischer Nachweis
Bundesgesetz / Parlamentsgesetz BGB, StGB § + Abs. + S. + Gesetzeskürzel
Verfassung Grundgesetz Art. + Abs. + ggf. S. + GG
Sozialgesetzbuch SGB VIII § + Abs. + Nr. + SGB-Buch
Landesgesetz Schulgesetz § + Normstruktur + Landesgesetzkürzel
Rechtsverordnung StVO § beziehungsweise Art. + Verordnungskürzel
EU-Verordnung DSGVO Art. + Abs. + lit. + Rechtsakt
EU-Richtlinie Richtlinie (EU) 2019/790 Art. + Rechtsaktnummer
Gesetzentwurf Bundestagsdrucksache BT-Drs. + Wahlperiode/Nummer + Seite
historische Gesetzesfassung frühere BGB-Fassung Norm + Fassungs-/Verkündungsangabe
Gesetz ist nicht gleich Gesetzgebungsmaterial

Ein bereits geltendes Gesetz zitierst du anders als den Gesetzentwurf, aus dem dieses Gesetz entstanden ist. Entwurf, Ausschussbericht und Plenarprotokoll sind parlamentarische Quellen und keine Gesetzesnormen.

Bundesgesetze

Parlamentsgesetze wie BGB oder StGB nach Harvard zitieren

Bundesgesetze, die vom parlamentarischen Gesetzgeber beschlossen wurden, werden im wissenschaftlichen Text normalerweise über die konkrete Vorschrift identifiziert.

BGB nach Harvard zitieren

§ 433 Abs. 1 S. 1 BGB

Im Fließtext kannst du den Verweis beispielsweise so integrieren:

Die Verpflichtung des Verkäufers ergibt sich aus § 433 Abs. 1 S. 1 BGB.

Strafgesetzbuch zitieren

§ 212 Abs. 1 StGB

Sozialgesetzbuch zitieren

Bei den Sozialgesetzbüchern gehört zusätzlich das betreffende Buch zur Bezeichnung:

§ 7 Abs. 1 Nr. 2 SGB VIII

Nicht den Herausgeber des Gesetzbuchs zitieren

Wenn du den Gesetzestext aus einer Beck-, Nomos- oder anderen gedruckten Gesetzessammlung gelesen hast, zitierst du die Rechtsnorm und nicht den Verlag oder Herausgeber der Sammlung als Autor des Gesetzes.

Grundgesetz

Grundgesetz nach Harvard zitieren

Das Grundgesetz ist in Artikel und nicht in Paragraphen gegliedert. Deshalb verwendest du die Abkürzung Art..

Artikel ohne weitere Untergliederung

Art. 1 GG

Artikel mit Absatz

Art. 3 Abs. 1 GG

Artikel, Absatz und Satz

Art. 5 Abs. 1 S. 1 GG

Nach der ersten eindeutigen Benennung kannst du das amtliche beziehungsweise allgemein verwendete Kürzel GG verwenden.

Artikel und Paragraph nicht verwechseln

Das Grundgesetz wird mit Art. zitiert. Viele einfache Bundesgesetze wie BGB oder StGB verwenden dagegen das Paragraphenzeichen §.

Norm genau angeben

Paragraph, Absatz, Satz, Nummer und Buchstabe richtig anordnen

Je genauer du dich auf einen bestimmten Teil einer Vorschrift beziehst, desto genauer sollte auch der Normverweis sein.

Eine typische Reihenfolge lautet:

§ → Absatz → Satz → Nummer → Buchstabe → Gesetzeskürzel

Element Abkürzung Beispiel
Paragraph § § 10
Absatz Abs. Abs. 2
Satz S. S. 1
Nummer Nr. Nr. 3
Buchstabe lit. lit. a
Gesetz amtliches/übliches Kürzel BGB

Ein komplexerer Normverweis kann beispielsweise so aufgebaut sein:

§ 10 Abs. 2 S. 1 Nr. 3 BGB

Die allgemeine Schreibweise von Paragraphen ist allerdings kein ausschließliches Harvard-Thema.

Direkt oder indirekt

Gesetz direkt oder indirekt nach Harvard zitieren

Auch bei Rechtsnormen kannst du zwischen einer wörtlichen Übernahme und einer sinngemäßen Bezugnahme unterscheiden.

Direktes Gesetzeszitat

Übernimmst du den gesetzlichen Wortlaut exakt, setzt du die Passage als direktes Zitat und nennst unmittelbar die Norm:

„Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.“ (Art. 3 Abs. 1 GG)

Ein zusätzliches vgl. ist bei einer wörtlichen Übernahme nicht erforderlich.

Indirekter Bezug auf eine Rechtsnorm

Formulierst du den gesetzlichen Inhalt mit eigenen Worten, kann eine deutschsprachige Harvard-Variante beispielsweise so aussehen:

Das Grundgesetz gewährleistet die Gleichheit aller Menschen vor dem Gesetz (vgl. Art. 3 Abs. 1 GG).

Ob deine Harvard-Variante bei indirekten Bezügen ausdrücklich vgl. verlangt, richtet sich nach dem Hochschulleitfaden.

Norm direkt in den Satz integrieren

Nach Art. 3 Abs. 1 GG sind alle Menschen vor dem Gesetz gleich.

Normverweis statt künstlichem Autor-Jahr-Beleg

Formen wie (Bundesrepublik Deutschland 2024: 12) sind für den normalen Verweis auf eine geltende deutsche Gesetzesnorm regelmäßig nicht die passende Lösung.

Aktuelle und alte Fassungen

Welche Gesetzesfassung zitierst du?

Bei einer aktuellen wissenschaftlichen Arbeit genügt häufig der eindeutige Verweis auf die geltende Vorschrift. Anders sieht es aus, wenn deine Untersuchung ausdrücklich eine frühere Gesetzesfassung behandelt.

Aktuell geltende Vorschrift

§ 433 Abs. 1 BGB

Historische beziehungsweise frühere Fassung

Dann sollte eindeutig erkennbar werden, auf welche Fassung du dich beziehst. Abhängig von der Richtlinie sind beispielsweise Angaben wie:

  • in der Fassung vom …,
  • i. d. F. v. …,
  • die ursprüngliche Verkündungsfundstelle oder
  • die konkrete Bundesgesetzblatt-Fundstelle

sinnvoll beziehungsweise vorgeschrieben.

Bei Rechtsgeschichte niemals stillschweigend die heutige Fassung verwenden

Wenn deine Argumentation einen früheren Rechtszustand untersucht, muss der zitierte Normtext zeitlich zu deiner Untersuchung passen.

Bundesgesetzblatt

Bundesgesetzblatt bei Gesetzen richtig angeben

Das Bundesgesetzblatt ist die amtliche Verkündungsquelle für Bundesrecht. Seit 2023 wird das Bundesgesetzblatt elektronisch auf der Verkündungsplattform des Bundes veröffentlicht.

Dadurch begegnen dir unterschiedliche Fundstellenformen.

Ältere Fundstellen mit Seitenangabe

BGBl. I S. 1234

Neuere elektronische Einzelverkündungen

BGBl. 2026 I Nr. 123

Welches Format erforderlich ist, hängt davon ab, wann die betreffende Rechtsnorm beziehungsweise Änderung amtlich verkündet wurde.

Bundesgesetzblatt nicht mit Literaturquelle verwechseln

Die BGBl.-Fundstelle dokumentiert die amtliche Verkündung beziehungsweise Fassung eines Gesetzes. Sie ersetzt nicht den eigentlichen Normverweis, wenn du eine konkrete Vorschrift wie § 433 BGB besprichst.

Literaturverzeichnis

Müssen Gesetze bei Harvard ins Literaturverzeichnis?

Hier gibt es keine für alle Hochschulen identische Regel.

Viele deutschsprachige Harvard-Leitfäden behandeln allgemein bekannte geltende Gesetze als Ausnahme: Die Rechtsnorm wird direkt im Text genannt und nicht noch einmal wie ein Buch in das normale Literaturverzeichnis aufgenommen.

Andere Hochschulen verlangen dagegen ein eigenes:

  • Rechtsquellenverzeichnis,
  • Gesetzesverzeichnis,
  • Verzeichnis der Rechtsquellen oder
  • eine Aufnahme bestimmter Rechtsakte in das allgemeine Quellenverzeichnis.

Besonders bei historischen, ausländischen, europäischen oder weniger bekannten Rechtsquellen können zusätzliche Vollangaben sinnvoll beziehungsweise vorgeschrieben sein.

Keine allgemeine „Gesetze gehören nie ins Literaturverzeichnis“-Regel

Ob du ein Gesetz nur im Text nachweist oder zusätzlich in einem Rechtsquellenverzeichnis aufführst, bestimmt die Vorgabe deiner Hochschule.

Für normale Fachliteratur bleibt der Aufbau des Harvard-Literaturverzeichnisses davon getrennt.

Verordnungen und Landesrecht

Rechtsverordnungen und Landesgesetze nach Harvard zitieren

Neben formellen Parlamentsgesetzen gibt es weitere nationale Rechtsnormen, insbesondere Rechtsverordnungen und Landesgesetze.

Rechtsverordnung

Ist eine Verordnung in Paragraphen gegliedert, funktioniert der Normverweis grundsätzlich vergleichbar:

§ 3 Abs. 1 StVO

Die Straßenverkehrs-Ordnung ist beispielsweise keine Parlamentsgesetzgebung im engeren Sinn, wird aber als Rechtsnorm ebenfalls über ihre konkrete Vorschrift bezeichnet.

Landesgesetz

Bei Landesrecht muss die verwendete Gesetzesabkürzung eindeutig erkennen lassen, auf welches Landesgesetz du dich beziehst.

Ein mögliches Format ist:

§ 42 Abs. 1 SchulG NRW

Landesrecht genau zuordnen

Bei ähnlich bezeichneten Schul-, Hochschul- oder Verwaltungsgesetzen verschiedener Bundesländer sollte die Landeszuordnung eindeutig bleiben.

EU-Recht

EU-Verordnung nach Harvard zitieren

EU-Verordnungen werden über die betreffende Artikelstruktur und den eindeutig bezeichneten Rechtsakt nachgewiesen.

Bekannte EU-Verordnung mit Kürzel

Art. 6 Abs. 1 lit. a DSGVO

Bei der ersten Nennung kann es sinnvoll beziehungsweise institutionell erforderlich sein, die vollständige Bezeichnung oder zumindest Nummer des Rechtsakts zu nennen.

Zum Beispiel:

Art. 6 Abs. 1 lit. a der Verordnung (EU) 2016/679 (DSGVO)

Danach kann der allgemein eingeführte Kurztitel verwendet werden:

Art. 6 Abs. 1 lit. a DSGVO

EU-Richtlinien

EU-Richtlinie nach Harvard zitieren

Eine EU-Richtlinie wird ebenfalls anhand des konkreten Artikels und der eindeutigen Rechtsaktnummer angegeben.

Ein mögliches Beispiel lautet:

Art. 5 Abs. 1 Richtlinie (EU) 2019/790

Je nach Fachgebiet und Hochschulleitfaden kann eine eingeführte Kurzbezeichnung verwendet werden.

EU-Rechtsakte im Überblick

Rechtsakt Beispiel für den Normverweis
EU-Verordnung Art. 6 Abs. 1 lit. a DSGVO
EU-Richtlinie Art. 5 Abs. 1 Richtlinie (EU) 2019/790
EU-Vertrag Art. 20 AEUV
EU-Beschluss Art. … Beschluss (EU) Jahr/Nummer
EU-Recht nicht wie eine normale Webseite behandeln

Nur weil du eine EU-Verordnung online bei EUR-Lex abrufst, wird sie nicht zu einer gewöhnlichen Internetquelle mit Organisationsautor und Abrufdatum. Entscheidend bleibt der amtliche Rechtsakt.

Gesetzgebung

Parlamentsgesetz und Gesetzentwurf unterscheiden

Eine besonders wichtige Unterscheidung betrifft das bereits geltende Gesetz und die Dokumente aus seinem Entstehungsprozess.

Geltendes Gesetz Gesetzentwurf
Status geltende Rechtsnorm Gesetzgebungsmaterial
Beispiel § 433 BGB BT-Drs. 21/4500
Fundstelle Paragraph/Artikel Drucksachennummer + Seite
Zweck geltenden Norminhalt belegen Entstehung, Begründung oder gesetzgeberische Überlegung untersuchen
Gesetzentwurf ist noch kein Gesetz

Ein Entwurf darf nicht wie die später beschlossene Rechtsnorm zitiert werden. Wenn du die Gesetzesbegründung oder parlamentarische Entstehung analysierst, benötigst du die konkrete Drucksache.

Parlamentsdrucksachen

Gesetzentwurf und Bundestagsdrucksache zitieren

Gesetzentwürfe des Bundestags gehören zu den parlamentarischen Drucksachen. Der typische Kurzverweis enthält die Abkürzung der Drucksache, die Wahlperiode, die laufende Dokumentnummer und bei einer konkreten Aussage die Seite.

Grundschema:

BT-Drs. Wahlperiode/Nummer, S. Fundstelle

Beispiel:

BT-Drs. 21/4500, S. 8

Die Seitenzahl dient hier nur als Formatbeispiel und muss bei deiner tatsächlichen Quelle anhand des Originaldokuments geprüft werden.

Bundesratsdrucksache

Für Dokumente des Bundesrats wird entsprechend die vorgesehene Abkürzung verwendet:

BR-Drs. Nummer/Jahr, S. Fundstelle

Plenarprotokolle

Wenn du eine parlamentarische Rede oder den Verlauf einer Debatte untersuchst, zitierst du nicht das spätere Gesetz, sondern das betreffende Plenarprotokoll nach den dafür geltenden Dokumentangaben.

Gesetzentwürfe, Drucksachen und Plenarprotokolle kannst du über das Dokumentations- und Informationssystem für Parlamentsmaterialien recherchieren.

Harvard und parlamentarische Materialien

Bei einer nichtjuristischen Harvard-Arbeit kann zusätzlich ein vollständiger Quellenverzeichniseintrag verlangt werden. Wie dieser aufgebaut wird, ist institutionell nicht einheitlich. Die amtliche Drucksachennummer sollte jedoch immer erhalten bleiben.

Beispiele

Gesetze nach Harvard zitieren – Beispiele im Überblick

Quellentyp Beispiel
BGB § 433 Abs. 1 S. 1 BGB
Grundgesetz Art. 3 Abs. 1 GG
Strafgesetzbuch § 212 Abs. 1 StGB
Sozialgesetzbuch § 7 Abs. 1 Nr. 2 SGB VIII
Landesgesetz § 42 Abs. 1 SchulG NRW
Rechtsverordnung § 3 Abs. 1 StVO
EU-Verordnung Art. 6 Abs. 1 lit. a DSGVO
EU-Richtlinie Art. 5 Abs. 1 Richtlinie (EU) 2019/790
EU-Vertrag Art. 20 AEUV
Gesetzentwurf BT-Drs. 21/4500, S. [Fundstelle]
ältere Gesetzesfassung Norm + eindeutige Fassungs-/Verkündungsangabe
Erst Quellentyp bestimmen, dann zitieren

Die größte Fehlerquelle besteht darin, jede amtliche Quelle wie „ein Gesetz“ zu behandeln. Prüfe zuerst, ob du eine Norm, Verordnung, EU-Rechtsakt oder ein parlamentarisches Dokument verwendest.

Abgrenzung

Gerichtsurteile und Gesetzeskommentare sind keine Gesetzestexte

Gerichtsentscheidungen und juristische Kommentare stehen häufig direkt neben Gesetzen in wissenschaftlichen Arbeiten. Trotzdem handelt es sich um andere Quellenarten.

Gerichtsurteil

Eine Entscheidung wird beispielsweise über Gericht, Entscheidungsart beziehungsweise Datum, Aktenzeichen, Fundstelle oder Randnummer identifiziert. Diese Zitationslogik gehört nicht in die Harvard-Regel für Gesetzesnormen.

Gesetzeskommentar

Ein Kommentar ist wissenschaftliche beziehungsweise juristische Fachliteratur. Du zitierst deshalb die verantwortliche Kommentierung und nicht nur das kommentierte Gesetz.

Norm und Interpretation unterscheiden

Wenn § 433 BGB etwas bestimmt, zitierst du die Norm. Wenn eine Autorin in einem BGB-Kommentar erklärt, wie § 433 BGB auszulegen ist, zitierst du die Kommentarliteratur.

Harvard-Varianten

Welche Harvard-Regeln können Hochschulen unterschiedlich festlegen?

Die Rechtsnorm selbst bleibt eindeutig. Unterschiede können jedoch bei der Einbettung in die wissenschaftliche Arbeit entstehen.

Prüfe insbesondere:

  • ob bei indirekten Gesetzesbezügen vgl. verwendet wird,
  • ob Gesetze zusätzlich in ein Rechtsquellenverzeichnis aufgenommen werden,
  • wie historische Fassungen angegeben werden,
  • wie EU-Rechtsakte vollständig nachgewiesen werden,
  • wie Parlamentsdrucksachen im Quellenverzeichnis erscheinen,
  • welche Abkürzungen deine Fakultät zulässt und
  • ob dein Fach juristische Sonderregeln statt der allgemeinen Harvard-Konvention verlangt.
Harvard darf juristische Zitierlogik nicht überschreiben

Bei Rechtsquellen ist der genaue Norm- beziehungsweise Dokumentverweis wichtiger als das mechanische Übertragen eines Autor-Jahr-Schemas.

Fehler vermeiden

Häufige Fehler beim Zitieren von Gesetzen nach Harvard

Das Gesetz wird als Autor-Jahr-Quelle behandelt

Ein deutscher Gesetzesverweis benötigt in der Regel die konkrete Norm und nicht einen erfundenen Autor wie „Deutschland“.

Der juristische Verlag wird als Quelle des Gesetzes genannt

Die gedruckte Gesetzessammlung ist nicht Urheber der Rechtsnorm.

Paragraph und Artikel werden verwechselt

Das Grundgesetz und viele europäische Rechtsakte verwenden Artikel; BGB und StGB verwenden Paragraphen.

Die Fundstelle ist zu ungenau

Wenn deine Aussage nur einen bestimmten Absatz oder Satz betrifft, solltest du nicht lediglich das gesamte Gesetz nennen.

Aktuelle und historische Fassung werden verwechselt

Bei einer historischen Analyse muss die zitierte Rechtslage zeitlich eindeutig bestimmt sein.

Gesetzentwurf und geltendes Gesetz werden gleich zitiert

Ein Gesetzentwurf erhält den Nachweis als Parlamentsdrucksache. Die spätere Rechtsnorm wird über Paragraph beziehungsweise Artikel belegt.

EU-Verordnung wird wie eine beliebige Webseite zitiert

EUR-Lex ist das Rechercheportal. Die Quelle ist der amtliche europäische Rechtsakt.

Gerichtsurteil wird als Gesetz behandelt

Gerichtsentscheidungen besitzen eine eigene juristische Zitationslogik.

Gesetze werden automatisch ins normale Literaturverzeichnis aufgenommen

Prüfe, ob deine Hochschule nur den Normverweis, ein separates Rechtsquellenverzeichnis oder einen vollständigen Quellenverzeichniseintrag verlangt.

Finaler Gesetzeszitations-Check

Richtige Rechtsquelle? Paragraph oder Artikel korrekt? Absatz, Satz, Nummer und Buchstabe geprüft? Gesetzeskürzel eindeutig? Geltende oder historische Fassung geklärt? EU- oder nationales Recht unterschieden? Gesetzentwurf nicht mit geltendem Gesetz verwechselt? Hochschulregel zum Rechtsquellenverzeichnis geprüft?

Kontrolle

Gesetz nach Harvard in 7 Schritten prüfen

  1. Bestimme, ob du ein Gesetz, eine Verordnung, EU-Recht oder Gesetzgebungsmaterial verwendest.
  2. Suche die amtliche beziehungsweise aktuelle Fassung der Rechtsquelle.
  3. Bestimme Paragraph beziehungsweise Artikel.
  4. Ergänze erforderlichenfalls Absatz, Satz, Nummer und Buchstabe.
  5. Verwende das eindeutige Gesetzes- oder Rechtsaktkürzel.
  6. Prüfe bei historischen Quellen die konkrete Fassung beziehungsweise amtliche Verkündung.
  7. Kontrolliere die Vorgabe deiner Hochschule zum Rechtsquellen- oder Literaturverzeichnis.

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Häufige Fragen & Antworten

Die folgenden Antworten behandeln typische Fragen zur Harvard-Zitierweise bei Gesetzen und anderen Rechtsquellen.

Wie zitiere ich ein Gesetz nach Harvard?

Ein deutsches Gesetz wird normalerweise direkt über die betreffende Norm angegeben, beispielsweise § 433 Abs. 1 S. 1 BGB. Anders als bei einem Fachbuch wird dafür nicht automatisch ein Autor-Jahr-Beleg erzeugt.

Wie zitiere ich das Grundgesetz nach Harvard?

Das Grundgesetz ist in Artikel gegliedert. Eine Quellenangabe lautet beispielsweise Art. 3 Abs. 1 GG. Bei einer noch genaueren Vorschrift kann zusätzlich der Satz angegeben werden.

Wie zitiere ich das BGB nach Harvard?

Nenne die konkrete Vorschrift und das Gesetzeskürzel, beispielsweise § 433 Abs. 1 S. 1 BGB. Den Herausgeber einer gedruckten Gesetzessammlung verwendest du nicht als Autor des Gesetzes.

Müssen Gesetze nach Harvard ins Literaturverzeichnis?

Nicht nach jeder Hochschulvariante. Viele Leitfäden lassen bei allgemein bekannten geltenden Gesetzen den direkten Normverweis im Text genügen. Andere verlangen ein eigenes Rechtsquellen- oder Gesetzesverzeichnis. Prüfe deshalb die institutionelle Vorgabe.

Wie zitiere ich eine EU-Verordnung nach Harvard?

Nenne den konkreten Artikel beziehungsweise Absatz und den eindeutig bezeichneten EU-Rechtsakt. Bei der DSGVO beispielsweise Art. 6 Abs. 1 lit. a DSGVO. Bei der ersten Nennung kann zusätzlich die vollständige Verordnungsnummer erforderlich sein.

Wie zitiere ich eine EU-Richtlinie?

Eine EU-Richtlinie wird anhand des Artikels und der eindeutigen Rechtsaktnummer identifiziert, beispielsweise Art. 5 Abs. 1 Richtlinie (EU) 2019/790. Die genaue Vollangabe richtet sich nach dem Leitfaden deiner Hochschule.

Wie zitiere ich einen Gesetzentwurf?

Ein Gesetzentwurf ist kein geltendes Gesetz, sondern Gesetzgebungsmaterial. Bundestagsdrucksachen werden mit Wahlperiode und Drucksachennummer zitiert, bei einer konkreten Fundstelle zusätzlich mit Seite, beispielsweise BT-Drs. 21/4500, S. [Fundstelle].

Wie zitiere ich ein altes Gesetz beziehungsweise eine frühere Fassung?

Wenn du nicht die aktuell geltende Fassung untersuchst, muss die historische Fassung eindeutig identifizierbar sein. Ergänze deshalb entsprechend der Hochschulrichtlinie Fassungsdatum, Verkündungsfundstelle oder Bundesgesetzblatt-Angabe.

Ist ein Gerichtsurteil eine Gesetzesquelle?

Nein. Gerichtsurteile sind Entscheidungen und werden nach einer eigenen Zitationslogik belegt. Sie sollten nicht wie Paragraphen oder Artikel eines Gesetzes zitiert werden.

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