Harvard-Zitierweise für Gesetze und Gesetzestexte
Wenn du Gesetze nach Harvard zitieren möchtest, entsteht ein wichtiger Sonderfall: Ein Gesetz wird normalerweise nicht wie ein Fachbuch mit Autor und Erscheinungsjahr belegt. Stattdessen verweist du direkt auf die betreffende Rechtsnorm, zum Beispiel § 433 Abs. 1 S. 1 BGB oder Art. 3 Abs. 1 GG.
Dabei musst du unterschiedliche Rechtsquellen auseinanderhalten. Bundes- und Landesgesetze, Grundgesetz, Rechtsverordnungen, EU-Verordnungen und Richtlinien werden anders behandelt als Gesetzentwürfe, Bundestagsdrucksachen oder andere Gesetzgebungsmaterialien. Dieser Artikel zeigt dir die wichtigsten Harvard-Beispiele und erklärt, wann ein Normverweis genügt und wann weitere bibliografische Angaben erforderlich werden.
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Grundprinzip
Gesetz nach Harvard zitieren: Warum der Beleg anders aussieht
Der normale Harvard-Kurzbeleg folgt dem Autor-Jahr-Prinzip:
(Müller 2024: 18)
Bei einem Gesetz funktioniert dieses Schema jedoch häufig nicht. Das Gesetz besitzt keinen wissenschaftlichen Autor, dessen Nachname als Harvard-Kurzbeleg verwendet werden müsste. Entscheidend ist vielmehr die eindeutig bezeichnete Rechtsnorm.
Ein typischer Gesetzesverweis sieht deshalb beispielsweise so aus:
§ 433 Abs. 1 S. 1 BGB
oder bei einem Gesetz, das in Artikel gegliedert ist:
Art. 3 Abs. 1 GG
Gesetze werden nicht automatisch in das Schema „Autor – Jahr – Seite“ gezwungen. Der präzise Normverweis übernimmt die Funktion der Fundstellenangabe.
Die allgemeinen Regeln für die Harvard-Zitation wissenschaftlicher Literatur findest du unter Harvard-Zitation. Auf dieser Seite geht es ausschließlich um Rechtsnormen und Gesetzgebungsmaterialien.
Rechtsquellen unterscheiden
Welche Gesetze und Rechtsquellen kannst du nach Harvard zitieren?
Für eine wissenschaftliche Arbeit solltest du zunächst bestimmen, mit welcher Art von Rechtsquelle du tatsächlich arbeitest.
| Rechtsquelle | Beispiel | Typischer Nachweis |
|---|---|---|
| Bundesgesetz / Parlamentsgesetz | BGB, StGB | § + Abs. + S. + Gesetzeskürzel |
| Verfassung | Grundgesetz | Art. + Abs. + ggf. S. + GG |
| Sozialgesetzbuch | SGB VIII | § + Abs. + Nr. + SGB-Buch |
| Landesgesetz | Schulgesetz | § + Normstruktur + Landesgesetzkürzel |
| Rechtsverordnung | StVO | § beziehungsweise Art. + Verordnungskürzel |
| EU-Verordnung | DSGVO | Art. + Abs. + lit. + Rechtsakt |
| EU-Richtlinie | Richtlinie (EU) 2019/790 | Art. + Rechtsaktnummer |
| Gesetzentwurf | Bundestagsdrucksache | BT-Drs. + Wahlperiode/Nummer + Seite |
| historische Gesetzesfassung | frühere BGB-Fassung | Norm + Fassungs-/Verkündungsangabe |
Ein bereits geltendes Gesetz zitierst du anders als den Gesetzentwurf, aus dem dieses Gesetz entstanden ist. Entwurf, Ausschussbericht und Plenarprotokoll sind parlamentarische Quellen und keine Gesetzesnormen.
Bundesgesetze
Parlamentsgesetze wie BGB oder StGB nach Harvard zitieren
Bundesgesetze, die vom parlamentarischen Gesetzgeber beschlossen wurden, werden im wissenschaftlichen Text normalerweise über die konkrete Vorschrift identifiziert.
BGB nach Harvard zitieren
§ 433 Abs. 1 S. 1 BGB
Im Fließtext kannst du den Verweis beispielsweise so integrieren:
Die Verpflichtung des Verkäufers ergibt sich aus § 433 Abs. 1 S. 1 BGB.
Strafgesetzbuch zitieren
§ 212 Abs. 1 StGB
Sozialgesetzbuch zitieren
Bei den Sozialgesetzbüchern gehört zusätzlich das betreffende Buch zur Bezeichnung:
§ 7 Abs. 1 Nr. 2 SGB VIII
Wenn du den Gesetzestext aus einer Beck-, Nomos- oder anderen gedruckten Gesetzessammlung gelesen hast, zitierst du die Rechtsnorm und nicht den Verlag oder Herausgeber der Sammlung als Autor des Gesetzes.
Grundgesetz
Grundgesetz nach Harvard zitieren
Das Grundgesetz ist in Artikel und nicht in Paragraphen gegliedert. Deshalb verwendest du die Abkürzung Art..
Artikel ohne weitere Untergliederung
Art. 1 GG
Artikel mit Absatz
Art. 3 Abs. 1 GG
Artikel, Absatz und Satz
Art. 5 Abs. 1 S. 1 GG
Nach der ersten eindeutigen Benennung kannst du das amtliche beziehungsweise allgemein verwendete Kürzel GG verwenden.
Das Grundgesetz wird mit Art. zitiert. Viele einfache Bundesgesetze wie BGB oder StGB verwenden dagegen das Paragraphenzeichen §.
Norm genau angeben
Paragraph, Absatz, Satz, Nummer und Buchstabe richtig anordnen
Je genauer du dich auf einen bestimmten Teil einer Vorschrift beziehst, desto genauer sollte auch der Normverweis sein.
Eine typische Reihenfolge lautet:
§ → Absatz → Satz → Nummer → Buchstabe → Gesetzeskürzel
| Element | Abkürzung | Beispiel |
|---|---|---|
| Paragraph | § | § 10 |
| Absatz | Abs. | Abs. 2 |
| Satz | S. | S. 1 |
| Nummer | Nr. | Nr. 3 |
| Buchstabe | lit. | lit. a |
| Gesetz | amtliches/übliches Kürzel | BGB |
Ein komplexerer Normverweis kann beispielsweise so aufgebaut sein:
§ 10 Abs. 2 S. 1 Nr. 3 BGB
Die allgemeine Schreibweise von Paragraphen ist allerdings kein ausschließliches Harvard-Thema.
Direkt oder indirekt
Gesetz direkt oder indirekt nach Harvard zitieren
Auch bei Rechtsnormen kannst du zwischen einer wörtlichen Übernahme und einer sinngemäßen Bezugnahme unterscheiden.
Direktes Gesetzeszitat
Übernimmst du den gesetzlichen Wortlaut exakt, setzt du die Passage als direktes Zitat und nennst unmittelbar die Norm:
„Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.“ (Art. 3 Abs. 1 GG)
Ein zusätzliches vgl. ist bei einer wörtlichen Übernahme nicht erforderlich.
Indirekter Bezug auf eine Rechtsnorm
Formulierst du den gesetzlichen Inhalt mit eigenen Worten, kann eine deutschsprachige Harvard-Variante beispielsweise so aussehen:
Das Grundgesetz gewährleistet die Gleichheit aller Menschen vor dem Gesetz (vgl. Art. 3 Abs. 1 GG).
Ob deine Harvard-Variante bei indirekten Bezügen ausdrücklich vgl. verlangt, richtet sich nach dem Hochschulleitfaden.
Norm direkt in den Satz integrieren
Nach Art. 3 Abs. 1 GG sind alle Menschen vor dem Gesetz gleich.
Formen wie (Bundesrepublik Deutschland 2024: 12) sind für den normalen Verweis auf eine geltende deutsche Gesetzesnorm regelmäßig nicht die passende Lösung.
Aktuelle und alte Fassungen
Welche Gesetzesfassung zitierst du?
Bei einer aktuellen wissenschaftlichen Arbeit genügt häufig der eindeutige Verweis auf die geltende Vorschrift. Anders sieht es aus, wenn deine Untersuchung ausdrücklich eine frühere Gesetzesfassung behandelt.
Aktuell geltende Vorschrift
§ 433 Abs. 1 BGB
Historische beziehungsweise frühere Fassung
Dann sollte eindeutig erkennbar werden, auf welche Fassung du dich beziehst. Abhängig von der Richtlinie sind beispielsweise Angaben wie:
- in der Fassung vom …,
- i. d. F. v. …,
- die ursprüngliche Verkündungsfundstelle oder
- die konkrete Bundesgesetzblatt-Fundstelle
sinnvoll beziehungsweise vorgeschrieben.
Wenn deine Argumentation einen früheren Rechtszustand untersucht, muss der zitierte Normtext zeitlich zu deiner Untersuchung passen.
Bundesgesetzblatt
Bundesgesetzblatt bei Gesetzen richtig angeben
Das Bundesgesetzblatt ist die amtliche Verkündungsquelle für Bundesrecht. Seit 2023 wird das Bundesgesetzblatt elektronisch auf der Verkündungsplattform des Bundes veröffentlicht.
Dadurch begegnen dir unterschiedliche Fundstellenformen.
Ältere Fundstellen mit Seitenangabe
BGBl. I S. 1234
Neuere elektronische Einzelverkündungen
BGBl. 2026 I Nr. 123
Welches Format erforderlich ist, hängt davon ab, wann die betreffende Rechtsnorm beziehungsweise Änderung amtlich verkündet wurde.
Die BGBl.-Fundstelle dokumentiert die amtliche Verkündung beziehungsweise Fassung eines Gesetzes. Sie ersetzt nicht den eigentlichen Normverweis, wenn du eine konkrete Vorschrift wie § 433 BGB besprichst.
Literaturverzeichnis
Müssen Gesetze bei Harvard ins Literaturverzeichnis?
Hier gibt es keine für alle Hochschulen identische Regel.
Viele deutschsprachige Harvard-Leitfäden behandeln allgemein bekannte geltende Gesetze als Ausnahme: Die Rechtsnorm wird direkt im Text genannt und nicht noch einmal wie ein Buch in das normale Literaturverzeichnis aufgenommen.
Andere Hochschulen verlangen dagegen ein eigenes:
- Rechtsquellenverzeichnis,
- Gesetzesverzeichnis,
- Verzeichnis der Rechtsquellen oder
- eine Aufnahme bestimmter Rechtsakte in das allgemeine Quellenverzeichnis.
Besonders bei historischen, ausländischen, europäischen oder weniger bekannten Rechtsquellen können zusätzliche Vollangaben sinnvoll beziehungsweise vorgeschrieben sein.
Ob du ein Gesetz nur im Text nachweist oder zusätzlich in einem Rechtsquellenverzeichnis aufführst, bestimmt die Vorgabe deiner Hochschule.
Für normale Fachliteratur bleibt der Aufbau des Harvard-Literaturverzeichnisses davon getrennt.
Verordnungen und Landesrecht
Rechtsverordnungen und Landesgesetze nach Harvard zitieren
Neben formellen Parlamentsgesetzen gibt es weitere nationale Rechtsnormen, insbesondere Rechtsverordnungen und Landesgesetze.
Rechtsverordnung
Ist eine Verordnung in Paragraphen gegliedert, funktioniert der Normverweis grundsätzlich vergleichbar:
§ 3 Abs. 1 StVO
Die Straßenverkehrs-Ordnung ist beispielsweise keine Parlamentsgesetzgebung im engeren Sinn, wird aber als Rechtsnorm ebenfalls über ihre konkrete Vorschrift bezeichnet.
Landesgesetz
Bei Landesrecht muss die verwendete Gesetzesabkürzung eindeutig erkennen lassen, auf welches Landesgesetz du dich beziehst.
Ein mögliches Format ist:
§ 42 Abs. 1 SchulG NRW
Bei ähnlich bezeichneten Schul-, Hochschul- oder Verwaltungsgesetzen verschiedener Bundesländer sollte die Landeszuordnung eindeutig bleiben.
EU-Recht
EU-Verordnung nach Harvard zitieren
EU-Verordnungen werden über die betreffende Artikelstruktur und den eindeutig bezeichneten Rechtsakt nachgewiesen.
Bekannte EU-Verordnung mit Kürzel
Art. 6 Abs. 1 lit. a DSGVO
Bei der ersten Nennung kann es sinnvoll beziehungsweise institutionell erforderlich sein, die vollständige Bezeichnung oder zumindest Nummer des Rechtsakts zu nennen.
Zum Beispiel:
Art. 6 Abs. 1 lit. a der Verordnung (EU) 2016/679 (DSGVO)
Danach kann der allgemein eingeführte Kurztitel verwendet werden:
Art. 6 Abs. 1 lit. a DSGVO
EU-Richtlinien
EU-Richtlinie nach Harvard zitieren
Eine EU-Richtlinie wird ebenfalls anhand des konkreten Artikels und der eindeutigen Rechtsaktnummer angegeben.
Ein mögliches Beispiel lautet:
Art. 5 Abs. 1 Richtlinie (EU) 2019/790
Je nach Fachgebiet und Hochschulleitfaden kann eine eingeführte Kurzbezeichnung verwendet werden.
EU-Rechtsakte im Überblick
| Rechtsakt | Beispiel für den Normverweis |
|---|---|
| EU-Verordnung | Art. 6 Abs. 1 lit. a DSGVO |
| EU-Richtlinie | Art. 5 Abs. 1 Richtlinie (EU) 2019/790 |
| EU-Vertrag | Art. 20 AEUV |
| EU-Beschluss | Art. … Beschluss (EU) Jahr/Nummer |
Nur weil du eine EU-Verordnung online bei EUR-Lex abrufst, wird sie nicht zu einer gewöhnlichen Internetquelle mit Organisationsautor und Abrufdatum. Entscheidend bleibt der amtliche Rechtsakt.
Gesetzgebung
Parlamentsgesetz und Gesetzentwurf unterscheiden
Eine besonders wichtige Unterscheidung betrifft das bereits geltende Gesetz und die Dokumente aus seinem Entstehungsprozess.
| Geltendes Gesetz | Gesetzentwurf | |
|---|---|---|
| Status | geltende Rechtsnorm | Gesetzgebungsmaterial |
| Beispiel | § 433 BGB | BT-Drs. 21/4500 |
| Fundstelle | Paragraph/Artikel | Drucksachennummer + Seite |
| Zweck | geltenden Norminhalt belegen | Entstehung, Begründung oder gesetzgeberische Überlegung untersuchen |
Ein Entwurf darf nicht wie die später beschlossene Rechtsnorm zitiert werden. Wenn du die Gesetzesbegründung oder parlamentarische Entstehung analysierst, benötigst du die konkrete Drucksache.
Parlamentsdrucksachen
Gesetzentwurf und Bundestagsdrucksache zitieren
Gesetzentwürfe des Bundestags gehören zu den parlamentarischen Drucksachen. Der typische Kurzverweis enthält die Abkürzung der Drucksache, die Wahlperiode, die laufende Dokumentnummer und bei einer konkreten Aussage die Seite.
Grundschema:
BT-Drs. Wahlperiode/Nummer, S. Fundstelle
Beispiel:
BT-Drs. 21/4500, S. 8
Die Seitenzahl dient hier nur als Formatbeispiel und muss bei deiner tatsächlichen Quelle anhand des Originaldokuments geprüft werden.
Bundesratsdrucksache
Für Dokumente des Bundesrats wird entsprechend die vorgesehene Abkürzung verwendet:
BR-Drs. Nummer/Jahr, S. Fundstelle
Plenarprotokolle
Wenn du eine parlamentarische Rede oder den Verlauf einer Debatte untersuchst, zitierst du nicht das spätere Gesetz, sondern das betreffende Plenarprotokoll nach den dafür geltenden Dokumentangaben.
Gesetzentwürfe, Drucksachen und Plenarprotokolle kannst du über das Dokumentations- und Informationssystem für Parlamentsmaterialien recherchieren.
Bei einer nichtjuristischen Harvard-Arbeit kann zusätzlich ein vollständiger Quellenverzeichniseintrag verlangt werden. Wie dieser aufgebaut wird, ist institutionell nicht einheitlich. Die amtliche Drucksachennummer sollte jedoch immer erhalten bleiben.
Beispiele
Gesetze nach Harvard zitieren – Beispiele im Überblick
| Quellentyp | Beispiel |
|---|---|
| BGB | § 433 Abs. 1 S. 1 BGB |
| Grundgesetz | Art. 3 Abs. 1 GG |
| Strafgesetzbuch | § 212 Abs. 1 StGB |
| Sozialgesetzbuch | § 7 Abs. 1 Nr. 2 SGB VIII |
| Landesgesetz | § 42 Abs. 1 SchulG NRW |
| Rechtsverordnung | § 3 Abs. 1 StVO |
| EU-Verordnung | Art. 6 Abs. 1 lit. a DSGVO |
| EU-Richtlinie | Art. 5 Abs. 1 Richtlinie (EU) 2019/790 |
| EU-Vertrag | Art. 20 AEUV |
| Gesetzentwurf | BT-Drs. 21/4500, S. [Fundstelle] |
| ältere Gesetzesfassung | Norm + eindeutige Fassungs-/Verkündungsangabe |
Die größte Fehlerquelle besteht darin, jede amtliche Quelle wie „ein Gesetz“ zu behandeln. Prüfe zuerst, ob du eine Norm, Verordnung, EU-Rechtsakt oder ein parlamentarisches Dokument verwendest.
Abgrenzung
Gerichtsurteile und Gesetzeskommentare sind keine Gesetzestexte
Gerichtsentscheidungen und juristische Kommentare stehen häufig direkt neben Gesetzen in wissenschaftlichen Arbeiten. Trotzdem handelt es sich um andere Quellenarten.
Gerichtsurteil
Eine Entscheidung wird beispielsweise über Gericht, Entscheidungsart beziehungsweise Datum, Aktenzeichen, Fundstelle oder Randnummer identifiziert. Diese Zitationslogik gehört nicht in die Harvard-Regel für Gesetzesnormen.
Gesetzeskommentar
Ein Kommentar ist wissenschaftliche beziehungsweise juristische Fachliteratur. Du zitierst deshalb die verantwortliche Kommentierung und nicht nur das kommentierte Gesetz.
Wenn § 433 BGB etwas bestimmt, zitierst du die Norm. Wenn eine Autorin in einem BGB-Kommentar erklärt, wie § 433 BGB auszulegen ist, zitierst du die Kommentarliteratur.
Harvard-Varianten
Welche Harvard-Regeln können Hochschulen unterschiedlich festlegen?
Die Rechtsnorm selbst bleibt eindeutig. Unterschiede können jedoch bei der Einbettung in die wissenschaftliche Arbeit entstehen.
Prüfe insbesondere:
- ob bei indirekten Gesetzesbezügen vgl. verwendet wird,
- ob Gesetze zusätzlich in ein Rechtsquellenverzeichnis aufgenommen werden,
- wie historische Fassungen angegeben werden,
- wie EU-Rechtsakte vollständig nachgewiesen werden,
- wie Parlamentsdrucksachen im Quellenverzeichnis erscheinen,
- welche Abkürzungen deine Fakultät zulässt und
- ob dein Fach juristische Sonderregeln statt der allgemeinen Harvard-Konvention verlangt.
Bei Rechtsquellen ist der genaue Norm- beziehungsweise Dokumentverweis wichtiger als das mechanische Übertragen eines Autor-Jahr-Schemas.
Fehler vermeiden
Häufige Fehler beim Zitieren von Gesetzen nach Harvard
Das Gesetz wird als Autor-Jahr-Quelle behandelt
Ein deutscher Gesetzesverweis benötigt in der Regel die konkrete Norm und nicht einen erfundenen Autor wie „Deutschland“.
Der juristische Verlag wird als Quelle des Gesetzes genannt
Die gedruckte Gesetzessammlung ist nicht Urheber der Rechtsnorm.
Paragraph und Artikel werden verwechselt
Das Grundgesetz und viele europäische Rechtsakte verwenden Artikel; BGB und StGB verwenden Paragraphen.
Die Fundstelle ist zu ungenau
Wenn deine Aussage nur einen bestimmten Absatz oder Satz betrifft, solltest du nicht lediglich das gesamte Gesetz nennen.
Aktuelle und historische Fassung werden verwechselt
Bei einer historischen Analyse muss die zitierte Rechtslage zeitlich eindeutig bestimmt sein.
Gesetzentwurf und geltendes Gesetz werden gleich zitiert
Ein Gesetzentwurf erhält den Nachweis als Parlamentsdrucksache. Die spätere Rechtsnorm wird über Paragraph beziehungsweise Artikel belegt.
EU-Verordnung wird wie eine beliebige Webseite zitiert
EUR-Lex ist das Rechercheportal. Die Quelle ist der amtliche europäische Rechtsakt.
Gerichtsurteil wird als Gesetz behandelt
Gerichtsentscheidungen besitzen eine eigene juristische Zitationslogik.
Gesetze werden automatisch ins normale Literaturverzeichnis aufgenommen
Prüfe, ob deine Hochschule nur den Normverweis, ein separates Rechtsquellenverzeichnis oder einen vollständigen Quellenverzeichniseintrag verlangt.
Richtige Rechtsquelle? Paragraph oder Artikel korrekt? Absatz, Satz, Nummer und Buchstabe geprüft? Gesetzeskürzel eindeutig? Geltende oder historische Fassung geklärt? EU- oder nationales Recht unterschieden? Gesetzentwurf nicht mit geltendem Gesetz verwechselt? Hochschulregel zum Rechtsquellenverzeichnis geprüft?
Kontrolle
Gesetz nach Harvard in 7 Schritten prüfen
- Bestimme, ob du ein Gesetz, eine Verordnung, EU-Recht oder Gesetzgebungsmaterial verwendest.
- Suche die amtliche beziehungsweise aktuelle Fassung der Rechtsquelle.
- Bestimme Paragraph beziehungsweise Artikel.
- Ergänze erforderlichenfalls Absatz, Satz, Nummer und Buchstabe.
- Verwende das eindeutige Gesetzes- oder Rechtsaktkürzel.
- Prüfe bei historischen Quellen die konkrete Fassung beziehungsweise amtliche Verkündung.
- Kontrolliere die Vorgabe deiner Hochschule zum Rechtsquellen- oder Literaturverzeichnis.
Häufige Fragen & Antworten
Die folgenden Antworten behandeln typische Fragen zur Harvard-Zitierweise bei Gesetzen und anderen Rechtsquellen.
Wie zitiere ich ein Gesetz nach Harvard?
Ein deutsches Gesetz wird normalerweise direkt über die betreffende Norm angegeben, beispielsweise § 433 Abs. 1 S. 1 BGB. Anders als bei einem Fachbuch wird dafür nicht automatisch ein Autor-Jahr-Beleg erzeugt.
Wie zitiere ich das Grundgesetz nach Harvard?
Das Grundgesetz ist in Artikel gegliedert. Eine Quellenangabe lautet beispielsweise Art. 3 Abs. 1 GG. Bei einer noch genaueren Vorschrift kann zusätzlich der Satz angegeben werden.
Wie zitiere ich das BGB nach Harvard?
Nenne die konkrete Vorschrift und das Gesetzeskürzel, beispielsweise § 433 Abs. 1 S. 1 BGB. Den Herausgeber einer gedruckten Gesetzessammlung verwendest du nicht als Autor des Gesetzes.
Müssen Gesetze nach Harvard ins Literaturverzeichnis?
Nicht nach jeder Hochschulvariante. Viele Leitfäden lassen bei allgemein bekannten geltenden Gesetzen den direkten Normverweis im Text genügen. Andere verlangen ein eigenes Rechtsquellen- oder Gesetzesverzeichnis. Prüfe deshalb die institutionelle Vorgabe.
Wie zitiere ich eine EU-Verordnung nach Harvard?
Nenne den konkreten Artikel beziehungsweise Absatz und den eindeutig bezeichneten EU-Rechtsakt. Bei der DSGVO beispielsweise Art. 6 Abs. 1 lit. a DSGVO. Bei der ersten Nennung kann zusätzlich die vollständige Verordnungsnummer erforderlich sein.
Wie zitiere ich eine EU-Richtlinie?
Eine EU-Richtlinie wird anhand des Artikels und der eindeutigen Rechtsaktnummer identifiziert, beispielsweise Art. 5 Abs. 1 Richtlinie (EU) 2019/790. Die genaue Vollangabe richtet sich nach dem Leitfaden deiner Hochschule.
Wie zitiere ich einen Gesetzentwurf?
Ein Gesetzentwurf ist kein geltendes Gesetz, sondern Gesetzgebungsmaterial. Bundestagsdrucksachen werden mit Wahlperiode und Drucksachennummer zitiert, bei einer konkreten Fundstelle zusätzlich mit Seite, beispielsweise BT-Drs. 21/4500, S. [Fundstelle].
Wie zitiere ich ein altes Gesetz beziehungsweise eine frühere Fassung?
Wenn du nicht die aktuell geltende Fassung untersuchst, muss die historische Fassung eindeutig identifizierbar sein. Ergänze deshalb entsprechend der Hochschulrichtlinie Fassungsdatum, Verkündungsfundstelle oder Bundesgesetzblatt-Angabe.
Ist ein Gerichtsurteil eine Gesetzesquelle?
Nein. Gerichtsurteile sind Entscheidungen und werden nach einer eigenen Zitationslogik belegt. Sie sollten nicht wie Paragraphen oder Artikel eines Gesetzes zitiert werden.
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Recherche und Korrektur der Zitation im Text nach APA, Chicago, Harvard und Hochschulrichtlinien
Zitationskorrektur ansehenRecherche und Korrektur der Quellen im Literaturverzeichnis nach Hochschulrichtlinien sowie APA, Chicago, Harvard, IEEE etc.
Literaturverzeichnis ansehenJede Quelle muss die richtigen bibliografischen Angaben tragen. Alle Quellen müssen im Text und im Literaturverzeichnis übereinstimmen.
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