Expertenbefragungen zur Identifikation relevanter Quellen
Fachkundige Personen können auf Schlüsselpublikationen, institutionelle Quellen, laufende Projekte oder schwer auffindbare graue Literatur hinweisen. Als ergänzende Suchtechnik erweitert eine Expertenbefragung damit den Zugang zu einem Forschungsfeld.
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Ergänzender Suchweg
Expertenbefragungen zur Quellenidentifikation einordnen
Fachkundige Personen können auf Schlüsselwerke, institutionelle Berichte, laufende Projekte, Datenquellen oder Suchbegriffe hinweisen, die in einer ersten Datenbanksuche schwer auffindbar sind. Diese Hinweise ergänzen die Literaturrecherche, ersetzen aber weder die systematische Suche noch die unabhängige Bewertung der empfohlenen Quellen.
Eine Expertenbefragung kann als kurzer schriftlicher Kontakt, leitfadengestütztes Gespräch oder Bestandteil einer umfassenderen empirischen Untersuchung erfolgen. Umfang, Einwilligung, Datenschutz und Berichterstattung müssen zum tatsächlichen Vorgehen passen.
Auch fachkundige Personen verfügen über begrenzte, interessengeleitete oder institutionell geprägte Perspektiven. Literaturhinweise und Sachbehauptungen müssen anhand zugänglicher Quellen überprüft werden.
Auswahl
Fachkundige Personen transparent auswählen
Expertise entsteht aus nachweisbarer Forschung, beruflicher Praxis, institutioneller Verantwortung oder langjähriger Arbeit mit einem eng abgegrenzten Gegenstand. Titel, Bekanntheit oder Organisationszugehörigkeit allein reichen nicht aus.
| Auswahlkriterium | Prüffrage |
|---|---|
| Fachlicher Bezug | Bearbeitet die Person genau den untersuchten Themenbereich? |
| Art der Expertise | Beruht sie auf Forschung, Praxis, Datenverantwortung oder methodischer Spezialisierung? |
| Nachweisbarkeit | Sind Publikationen, Projekte, Funktionen oder einschlägige Erfahrungen dokumentiert? |
| Perspektivenvielfalt | Werden unterschiedliche Disziplinen, Institutionen oder Positionen berücksichtigt? |
| Interessenkonflikte | Bestehen wirtschaftliche, politische oder persönliche Interessen am Thema? |
| Zugänglichkeit | Kann die Person konkrete und überprüfbare Literaturhinweise geben? |
Begründe die Auswahl in der Methodik. Bei sensiblen oder kontroversen Themen ist es besonders wichtig, mehrere Perspektiven einzubeziehen und institutionelle Abhängigkeiten offenzulegen.
Vorbereitung und Erhebung
Fragen auf konkrete Recherchelücken ausrichten
Eine allgemeine Frage wie „Welche Literatur ist wichtig?“ führt häufig zu unsystematischen Empfehlungen. Leite die Fragen stattdessen aus dokumentierten Lücken deiner bisherigen Recherche ab.
- Welche grundlegenden Werke definieren das Konzept im untersuchten Fachgebiet?
- Welche aktuellen Studien, Register oder Datensammlungen fehlen in der bisherigen Suche?
- Welche Fachbegriffe, Abkürzungen oder historische Bezeichnungen werden verwendet?
- Welche Institutionen veröffentlichen relevante Berichte oder Leitlinien?
- Welche kontroversen Positionen oder methodischen Schulen sollten berücksichtigt werden?
- Welche Quellen gelten als überholt, und worauf beruht diese Einschätzung?
Informiere die befragte Person über Zweck, Verwendung und Dokumentation der Angaben. Werden Gesprächsdaten wissenschaftlich ausgewertet oder personenbezogene Aussagen veröffentlicht, sind Einwilligung, Datenschutz und gegebenenfalls hochschulische Ethikvorgaben zu beachten.
Prüfung und Dokumentation
Empfehlungen unabhängig recherchieren und bewerten
- vollständige bibliografische Angaben oder eindeutige Identifikatoren beschaffen
- Originalquelle und zugängliche Version ermitteln
- Relevanz anhand der Forschungsfrage prüfen
- Publikationskontext, Methodik, Aktualität und Interessenkonflikte bewerten
- Quelle nach denselben Ein- und Ausschlusskriterien wie Datenbanktreffer behandeln
- Fundweg „Expertenhinweis“ im Literaturbestand kennzeichnen
- nicht auffindbare oder ungeeignete Empfehlungen mit Grund dokumentieren
| Dokumentationsfeld | Beispielhafte Angabe |
|---|---|
| Auswahlgrund | methodische Forschung zu qualitativer Inhaltsanalyse |
| Kontaktform | schriftliche Anfrage oder leitfadengestütztes Gespräch |
| Datum | Zeitpunkt der Antwort |
| Leitfrage | konkret adressierte Recherchelücke |
| Hinweis | Publikation, Register, Institution oder Suchbegriff |
| Prüfergebnis | aufgenommen, ausgeschlossen oder nicht auffindbar |
Grenzen
Verzerrungen von Expertenhinweisen reflektieren
- Erinnerungsverzerrung und Bevorzugung bekannter Standardwerke
- Übergewicht des eigenen Fachnetzwerks oder der eigenen theoretischen Schule
- Vernachlässigung neuer, randständiger oder anderssprachiger Forschung
- institutionelle oder wirtschaftliche Interessenkonflikte
- selektive Empfehlung eigener Publikationen
- geringe Vergleichbarkeit bei offenen, nicht standardisierten Gesprächen
Berichte deshalb, wie viele Personen kontaktiert wurden, welche Expertise sie einbrachten, welche Fragen gestellt wurden und wie die Hinweise geprüft wurden. Die Stärke der Methode liegt in der gezielten Ergänzung; sie begründet keine Vollständigkeit der Literaturbasis.
Durchführung
Expertenhinweise systematisch erheben und prüfen
- Definiere, welche Lücke der bisherigen Literaturrecherche geschlossen werden soll.
- Lege transparente Kriterien für die Auswahl fachkundiger Personen fest.
- Bereite kurze, offene Fragen zu Schlüsselwerken, Datenquellen, Institutionen und Suchbegriffen vor.
- Dokumentiere Gespräch, Korrespondenz oder schriftliche Antwort in einer einheitlichen Form.
- Recherchiere jeden Literaturhinweis unabhängig und prüfe ihn nach den festgelegten Auswahlkriterien.
- Berichte die Expertenbefragung als ergänzenden Suchweg, nicht als Ersatz für wissenschaftliche Quellen.
Die fachliche Stellung einer Person macht eine empfohlene Publikation nicht automatisch geeignet. Relevanz, methodische Qualität und Zitierfähigkeit werden für jede Quelle separat bewertet.
Expertenhinweise können schwer auffindbare Literatur erschließen, ersetzen jedoch keine systematische Recherche. Jede Empfehlung muss unabhängig geprüft, bibliografisch erfasst und als ergänzender Suchweg dokumentiert werden.
Häufige Fragen und Antworten
Die folgenden Antworten fassen die wichtigsten Anwendungsfragen zu dieser Recherchetechnik zusammen.
Wozu dient eine Expertenbefragung bei der Literatursuche?
Sie erschließt Literaturhinweise, institutionelle Quellen, laufende Projekte und Fachbegriffe, die in einer ersten Datenbanksuche schwer auffindbar sein können.
Wer gilt als geeignete fachkundige Person?
Geeignet sind Personen mit nachweisbarer Forschung, Berufspraxis oder institutioneller Verantwortung im klar abgegrenzten Themenfeld. Die Auswahl muss begründet werden.
Wie prüfe ich empfohlene Quellen?
Recherchiere die vollständigen bibliografischen Angaben und bewerte jede Quelle nach denselben Relevanz- und Qualitätskriterien wie andere Treffer.
Muss die Befragung dokumentiert werden?
Ja. Halte Auswahlgrund, Kontaktweg, Leitfragen, Datum, erhaltene Hinweise und deren weitere Prüfung fest. Personenbezogene Angaben sind datenschutzgerecht zu behandeln.
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