Handsuche in der Literaturrecherche

Die Handsuche prüft gezielt Zeitschriften, Tagungsbände, Bibliotheksbestände, Literaturverzeichnisse oder institutionelle Publikationslisten, die durch elektronische Datenbanksuchen nicht vollständig erfasst werden.

Der Artikel erklärt geeignete Einsatzfelder, ein dokumentierbares Vorgehen und die Einbindung der Handsuche in eine systematische Literaturrecherche.

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Handsuche in der Literaturrecherche

Definition und Abgrenzung

Handsuche in der Literaturrecherche verstehen

Im engeren methodischen Sinn bezeichnet Handsuche die manuelle Prüfung klar abgegrenzter Publikationsbestände, beispielsweise aller Inhaltsverzeichnisse und Beiträge bestimmter Zeitschriftenjahrgänge. Im weiteren Sinn umfasst eine manuelle Ergänzung auch Tagungsbände, gedruckte Bibliografien, Bibliotheksregale oder institutionelle Publikationslisten.

Das Durchsehen von Referenzlisten ist dagegen eine rückwärtsgerichtete Zitationssuche. Beide Verfahren können gemeinsam eingesetzt werden, sollten im Suchprotokoll jedoch getrennt benannt werden.

Verfahren Geprüfter Bestand Typische Funktion
Zeitschriften-Handsuche vollständige Jahrgänge, Ausgaben und Inhaltsverzeichnisse nicht oder unzureichend indexierte Beiträge identifizieren
Konferenz-Handsuche Tagungsprogramme, Abstractbände und Proceedings frühe Forschung und schwer indexierte Beiträge finden
Bestandsprüfung Bibliotheksregale, Spezialkataloge oder Archivverzeichnisse ältere, lokale oder besondere Dokumenttypen erschließen
Rückwärtssuche Referenzlisten geeigneter Publikationen ältere theoretische und empirische Vorläufer verfolgen

Einsatzbereich

Wann eine Handsuche die Datenbanksuche sinnvoll ergänzt

  • relevante Zeitschriften sind nur teilweise oder erst ab einem bestimmten Jahr indexiert
  • ältere Jahrgänge besitzen unvollständige Titel- und Abstractdaten
  • Konferenzbeiträge, Editorials, Briefe oder Sonderhefte werden uneinheitlich erfasst
  • ein enges Fachgebiet konzentriert sich auf wenige zentrale Publikationsorte
  • lokale, regionale oder historische Literatur ist überwiegend in Spezialbeständen vorhanden
  • eine systematische Suche soll gezielt auf erkennbare Indexierungslücken geprüft werden
Keine Vollständigkeitsgarantie

Auch eine sorgfältige Handsuche kann Quellen übersehen. Sie erweitert einen begründeten Suchraum, ersetzt aber in der Regel keine elektronische Datenbank- und Schlagwortsuche.

Praktische Anwendung

Eine Handsuche Schritt für Schritt durchführen

  1. Ziel definieren: Benenne die vermutete Indexierungslücke und die relevante Quellenart.
  2. Suchraum festlegen: Wähle Zeitschriften, Konferenzen, Reihen, Bestände und einen begründeten Zeitraum.
  3. Vollständigkeit des Bestands prüfen: Ermittle, ob alle Ausgaben, Supplemente und Sonderhefte zugänglich sind.
  4. Einheitlich sichten: Prüfe Inhaltsverzeichnisse, Titel, Abstracts und bei Bedarf Volltexte nach denselben Kriterien.
  5. Treffer erfassen: Notiere vollständige bibliografische Angaben und den genauen Fundort.
  6. Dubletten abgleichen: Vergleiche manuell gefundene Titel mit dem bestehenden Literaturbestand.
  7. Auswahl dokumentieren: Kennzeichne aufgenommene und ausgeschlossene Treffer mit Begründung.
  8. Abbruch begründen: Beende die Suche am vorab festgelegten Zeitraum oder Bestand.

Beispiel für einen begrenzten Suchraum

Für eine medizinhistorische Arbeit könnten alle Ausgaben zweier einschlägiger Fachzeitschriften von 1990 bis 2005 manuell geprüft werden, weil die verwendete Datenbank erst spätere Jahrgänge vollständig indexiert. Der Zeitraum, die Ausgaben und die Zahl geprüfter Beiträge werden im Suchprotokoll festgehalten.

Dokumentation

Handsuche transparent berichten

Protokollfeld Angabe
Publikationsort Zeitschrift, Konferenz, Archiv, Reihe oder Bibliotheksbestand
Zeitraum geprüfte Jahre, Bände, Ausgaben oder Signaturbereiche
Suchdatum Zeitpunkt der manuellen Prüfung
Vorgehen geprüfte Elemente, etwa Inhaltsverzeichnis, Abstract oder Volltext
Trefferzahl identifizierte, deduplizierte und eingeschlossene Datensätze
Grenzen fehlende Ausgaben, unzugängliche Volltexte oder unvollständige Bestände

Bei einem systematischen Review können über Handsuche gefundene Datensätze im PRISMA-Flow-Diagramm als über andere Methoden identifizierte Quellen ausgewiesen werden. Das Diagramm dokumentiert den Auswahlweg; es ist keine Methode der Handsuche.

Fehlervermeidung

Typische Fehler bei der Handsuche vermeiden

  • Publikationsorte ohne fachliche Begründung auswählen.
  • nur einzelne bekannte Ausgaben statt des definierten Zeitraums prüfen.
  • Inhaltsverzeichnisse uneinheitlich oder ohne Auswahlkriterien sichten.
  • Referenzlistensuche und Zeitschriften-Handsuche vermischen.
  • manuell gefundene Datensätze nicht deduplizieren.
  • fehlende Ausgaben oder Zugangsprobleme verschweigen.
  • aus der Handsuche eine vollständige Abdeckung des Forschungsfelds ableiten.
Aufwand begrenzen

Priorisiere Publikationsorte, die nachweislich relevante Treffer liefern oder erkennbare Indexierungslücken besitzen. Ein klar definierter Zeitraum verhindert eine beliebige und zeitlich unbegrenzte Suche.

Fazit

Die Handsuche schließt Lücken elektronischer Datenbanken, bleibt aber nur bei klar definiertem Suchraum effizient. Dokumentiere geprüfte Titel, Jahrgänge, Bestände, Suchdaten und Auswahlentscheidungen und integriere die Ergebnisse in das gemeinsame Suchprotokoll.

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Häufige Fragen und Antworten

Die folgenden Antworten fassen die wichtigsten Anwendungsfragen zu dieser Recherchetechnik zusammen.

Was ist eine Handsuche?

Eine Handsuche ist die gezielte manuelle Prüfung klar definierter Publikationsorte oder Bestände, beispielsweise einzelner Zeitschriftenjahrgänge, Tagungsbände oder Bibliotheksregale.

Wann ist sie besonders sinnvoll?

Sie eignet sich, wenn Datenbanken ein Fachgebiet unvollständig indexieren, ältere Jahrgänge fehlen oder bestimmte Quellenarten nur lokal beziehungsweise institutionell verfügbar sind.

Wie dokumentiere ich die Handsuche?

Notiere Publikationsort, geprüften Zeitraum oder Bestand, Suchdatum, Vorgehen, gefundene Treffer und Auswahlentscheidung.

Kann die Handsuche eine Datenbanksuche ersetzen?

In der Regel nicht. Sie ergänzt elektronische Suchstrategien und sollte auf einen begründeten, zeitlich realistischen Suchraum begrenzt bleiben.

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