Rückwärts- und Vorwärtssuche in der Literaturrecherche

Die Rückwärtssuche folgt den Quellen, die eine bereits gefundene Publikation zitiert. Die Vorwärtssuche ermittelt dagegen neuere Arbeiten, die diese Publikation später aufgegriffen haben.

Beide Verfahren erschließen den wissenschaftlichen Diskurs entlang realer Zitationsbeziehungen. Der Artikel zeigt die praktische Durchführung, die sinnvolle Kombination beider Richtungen sowie notwendige Grenzen und Dokumentationsschritte.

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Rückwärts- und Vorwärtssuche in der Literaturrecherche

Rückwärtsgerichtete Suche

Mit der Rückwärtssuche ältere Literatur finden

Die Rückwärtssuche, auch backward citation searching oder ancestry searching genannt, prüft das Literaturverzeichnis einer geeigneten Startquelle. Sie erschließt ältere Grundlagen, verwendete Methoden, Vorläuferstudien und theoretische Positionen.

  1. fachlich geeignete Startquelle auswählen
  2. Literaturverzeichnis nach Theorie, Methode, Datenbasis und zentralen Befunden vorsortieren
  3. vollständige Datensätze und Originaltexte beschaffen
  4. jede Quelle nach denselben Ein- und Ausschlusskriterien bewerten
  5. Fundweg und Auswahlentscheidung dokumentieren
  6. nur besonders ergiebige Quellen für eine weitere Suchstufe verwenden

Beispielsweise kann ein Artikel aus dem Jahr 2020 zur digitalen Hochschullehre auf grundlegende Arbeiten aus den Vorjahren verweisen. Die ältere Quelle ist trotzdem nicht automatisch relevant oder korrekt zitiert; Aussage und Kontext müssen im Original geprüft werden.

Referenzliste ist eine Auswahl der Autorenschaft

Eine Startquelle kann konkurrierende Positionen, anderssprachige Forschung oder graue Literatur auslassen. Nutze mehrere Ausgangspublikationen und ergänze eine unabhängige Datenbanksuche.

Vorwärtsgerichtete Suche

Mit der Vorwärtssuche spätere Publikationen identifizieren

Die Vorwärtssuche, auch forward citation searching oder descendancy searching genannt, untersucht, welche späteren Publikationen eine Startquelle zitieren. Sie kann Anwendungen, Replikationen, Kritik, methodische Weiterentwicklungen und neuere Reviews sichtbar machen.

  1. Startquelle über DOI, Titel und bibliografische Angaben eindeutig identifizieren.
  2. eine oder mehrere geeignete Zitationsdatenbanken verwenden.
  3. zitierende Dokumente nach Zeitraum, Dokumenttyp und Fachbezug prüfen.
  4. unterscheiden, ob die Zitation zentral, kritisch, zustimmend oder beiläufig erfolgt.
  5. relevante Treffer in den Literaturbestand übernehmen und den Fundweg kennzeichnen.
  6. bei zentralen neuen Quellen eine begrenzte weitere Suchstufe durchführen.

Ein Beitrag aus dem Jahr 2018 zur künstlichen Intelligenz in der Medizin kann in späteren Studien methodisch übernommen, kritisch diskutiert oder nur im Hintergrund erwähnt werden. Erst die Lektüre zeigt, welche Funktion die Zitation besitzt.

Abdeckung unterscheidet sich

Zitationsdatenbanken indexieren nicht dieselben Zeitschriften, Bücher, Konferenzbeiträge und Sprachen. Vergleiche bei zentralen Startquellen mehrere Systeme oder benenne die Begrenzung der gewählten Datenbank.

Kombinierter Suchweg

Rückwärts- und Vorwärtssuche gemeinsam durchführen

  1. Wähle zwei bis fünf fachlich geeignete Startquellen aus unterschiedlichen Perspektiven.
  2. Prüfe zunächst deren Literaturverzeichnisse und erfasse relevante ältere Grundlagen.
  3. Führe anschließend für jede Startquelle eine Vorwärtssuche in einer geeigneten Zitationsdatenbank durch.
  4. Wiederhole beide Richtungen nur mit den wichtigsten neu gefundenen Quellen.
  5. Beende den Suchweg anhand dokumentierter Abbruchkriterien und gleiche das Ergebnis mit einer Stichwortsuche ab.
Dokumentation

Eine einfache Tabelle mit Ausgangsquelle, Suchrichtung, Datenbank, Suchdatum, geprüftem Treffer und Auswahlentscheidung verhindert, dass Zitationspfade mehrfach oder ohne erkennbare Regel verfolgt werden.

Typische Fehler

  • nur eine einzige Startquelle verwenden
  • Zitationshäufigkeit mit wissenschaftlicher Qualität gleichsetzen
  • jede gefundene Quelle ungeprüft in den Bestand aufnehmen
  • Suchschleifen ohne Abbruchkriterium fortsetzen
  • neue oder graue Literatur ausschließlich über Zitationen suchen
Fazit

Rückwärts- und Vorwärtssuche erschließen ältere Grundlagen und neuere Anschlussforschung. Beide Richtungen sollten von fachlich geeigneten Startquellen ausgehen, begrenzt dokumentiert und durch eine unabhängige Datenbanksuche ergänzt werden.

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Häufige Fragen und Antworten

Die folgenden Antworten fassen die wichtigsten Anwendungsfragen zu dieser Recherchetechnik zusammen.

Was ist eine Rückwärtssuche?

Bei der Rückwärtssuche prüfst du das Literaturverzeichnis einer relevanten Publikation und verfolgst ältere Quellen, auf denen deren Argumentation oder Methode aufbaut.

Was ist eine Vorwärtssuche?

Bei der Vorwärtssuche ermittelst du Publikationen, die eine Ausgangsquelle später zitiert haben. Zitationsdatenbanken und wissenschaftliche Suchmaschinen stellen dafür „cited by“-Funktionen bereit.

Welche Richtung sollte zuerst eingesetzt werden?

Die Reihenfolge hängt vom Ziel ab. Für Grundlagen eignet sich häufig die Rückwärtssuche; für aktuelle Entwicklungen ist die Vorwärtssuche besonders hilfreich. In der Praxis werden beide Richtungen kombiniert.

Wie dokumentiere ich beide Suchwege?

Notiere Ausgangsquelle, Suchrichtung, verwendete Datenbank, Suchdatum, geprüfte Treffer sowie Aufnahme- und Ausschlussentscheidungen in einem Suchprotokoll.

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