Lesedauer: ca. 10 Minuten Artikeltyp: Beispiel

Interviewform – empirische Forschung

Interviewformen unterscheiden sich nach dem Grad ihrer Standardisierung. Strukturierte Interviews arbeiten mit festen Fragen und eignen sich für vergleichbare, quantitative Daten. Semistrukturierte Interviews nutzen einen Leitfaden, bleiben aber flexibel für Nachfragen. Unstrukturierte Interviews verlaufen offen und eignen sich zur Exploration neuer Themen. Wichtig ist, die Interviewform passend zur Forschungsfrage, Datentiefe und Auswertungslogik zu wählen.

Interviewformen in der empirischen Forschung

Methodik

Passende Interviewform wählen

Das Interview ist eine Befragungsmethode der qualitativen und quantitativen Sozialforschung. Daten und Erkenntnisse entstehen durch den direkten Kontakt mit befragten Personen.

In einer Bachelorarbeit, Masterarbeit oder Dissertation können Interviews wertvolle Informationen liefern, wenn Erfahrungen, Einstellungen, Expertenwissen oder konkrete Sichtweisen zum Forschungsthema untersucht werden sollen.

Interviewformen unterscheiden sich vor allem nach ihrem Grad der Standardisierung. Es gibt strukturierte Interviews mit festen Fragen und Abläufen, semistrukturierte Interviews mit Leitfaden sowie unstrukturierte Interviews mit offener Gesprächsführung.

Kurz erklärt:
Interviewformen legen fest, wie stark ein Interview vorstrukturiert ist. Je strukturierter ein Interview ist, desto besser lassen sich Antworten vergleichen. Je offener ein Interview ist, desto tiefer können Erfahrungen und Deutungen erfasst werden.

1a-Studi-Tipp

Wähle die Interviewform immer passend zur Forschungsfrage. Für vergleichbare Daten eignet sich ein strukturiertes Interview. Für tiefe Einblicke in Erfahrungen, Meinungen oder Expertenwissen ist meist ein semistrukturiertes Interview geeigneter.

3 Arten

Interviewformate

Ein Interview zeichnet sich durch eine persönliche Befragungssituation zwischen Interviewer und befragter Person aus. Die Interviewform bestimmt, wie stark Gesprächsablauf, Fragen und Antwortmöglichkeiten vorgegeben sind.

Ein Interview sollte methodisch kontrolliert, aber zugleich möglichst authentisch geführt werden. Künstliche Gesprächssituationen, suggestive Fragen oder ein zu stark gelenktes Gespräch können die Qualität der Daten schwächen.

Strukturiertes Interview

Das strukturierte Interview ist vollständig standardisiert. Fragen, Reihenfolge und Antwortmöglichkeiten werden vorab festgelegt. Häufig werden geschlossene Fragen verwendet, damit die Antworten vergleichbar und statistisch auswertbar bleiben.

Aspekt Beschreibung
Einsatz Erhebung spezifischer und quantitativer Daten.
Vorteile hohe Vergleichbarkeit, größere Datenmengen, geringere Interviewverzerrung durch Standardisierung.
Nachteile keine vertiefenden Nachfragen, begrenzte Antwortmöglichkeiten, geringe Flexibilität.
Besonderheit fester Ablauf mit vorgegebenem Fragenkatalog und Antwortformat.

Semistrukturiertes Interview

Das semistrukturierte Interview arbeitet mit einem Leitfaden. Dieser gibt zentrale Themen und Fragen vor, lässt aber Raum für Nachfragen, Vertiefungen und Anpassungen an den Gesprächsverlauf.

Im Gegensatz zum strukturierten Interview werden überwiegend offene Fragen gestellt. Dadurch können befragte Personen eigene Erfahrungen, Sichtweisen und Begründungen ausführlicher darstellen.

Aspekt Beschreibung
Einsatz Erhebung komplexer Erfahrungen, Meinungen und Deutungen.
Vorteile flexible Gesprächsführung, differenzierte Antworten, gezielte Nachfragen möglich.
Nachteile zeitintensivere Durchführung und Auswertung, mögliche Beeinflussung durch aktive Interviewführung.
Besonderheit Leitfaden dient als Gesprächsstruktur, ohne das Interview vollständig festzulegen.

Unstrukturiertes Interview

Das unstrukturierte Interview erfolgt ohne festen Leitfaden. Die Fragen entstehen aus dem Gesprächsverlauf und bleiben offen. Diese Interviewform bietet den größten Gestaltungsspielraum.

Unstrukturierte Interviews eignen sich besonders, wenn ein neues Forschungsfeld erschlossen oder ein Thema sehr offen exploriert werden soll.

Aspekt Beschreibung
Einsatz Exploration neuer Forschungsbereiche und Erhebung detailreicher Informationen.
Vorteile hohe Flexibilität, freie Äußerungen, tiefergehende Erkenntnisse möglich.
Nachteile geringere Vergleichbarkeit, hoher Zeitaufwand, stärkere Gefahr von Interviewverzerrungen.
Besonderheit kein Leitfaden und keine feste Fragenreihenfolge.

Gegenüberstellung der Interviewformen

Kriterium Strukturiertes Interview Semistrukturiertes Interview Unstrukturiertes Interview
Vorteile hohe Standardisierung, große Datenmengen, geringere Interviewverzerrung flexibel, differenzierte Antworten, gezielte Nachfragen sehr flexibel, freie Äußerungen, tiefe Exploration
Nachteile keine Ergänzungen, keine vertiefenden Fragen, begrenzte Antworten zeitintensiv, mögliche Verzerrung durch Interviewführung geringe Vergleichbarkeit, hoher Zeitaufwand, mögliche Verzerrung
Einsatz spezifische und quantitative Daten komplexe Erfahrungen oder Meinungen neue Forschungsbereiche und detailreiche Informationen
Besonderheit festgelegter Leitfaden flexibler Leitfaden kein Leitfaden
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Anwendung

Interviewformen in der Sozialforschung

Interviews ermöglichen in der Sozialforschung, menschliches Verhalten, Einstellungen, Erfahrungen und Deutungen vertieft zu untersuchen. Sie werden genutzt, wenn standardisierte Daten allein nicht ausreichen oder wenn subjektive Perspektiven für die Forschungsfrage zentral sind.

Der Ablauf eines Interviews umfasst Vorbereitung, Durchführung, Dokumentation und Auswertung. Dazu gehören Forschungsfrage, Auswahl der befragten Personen, Interviewform, Leitfaden, Einwilligung, Aufzeichnung, Transkription und Analyse.

Interviewarten nach Forschungsinteresse

Interviewart Struktur Geeignet für
Leitfadeninterview semistrukturiert gezielte Befragung zu Themenblöcken mit Raum für Nachfragen.
Experteninterview meist semistrukturiert Erhebung von Fachwissen, Erfahrungswissen und Einschätzungen.
Problemzentriertes Interview semistrukturiert Untersuchung konkreter Problemstellungen aus Sicht der Befragten.
Episodisches Interview teilstrukturiert Verbindung von konkreten Erlebnissen und allgemeinen Deutungen.
Fokussiertes Interview teilstrukturiert Befragung zu einem bestimmten Ereignis, Material oder Stimulus.
Narratives Interview unstrukturiert freie Erzählungen, Biografien und subjektive Verlaufserfahrungen.

Wichtig:
Die Interviewform muss zur Forschungsfrage passen. Ein Experteninterview eignet sich nicht automatisch für jede qualitative Arbeit. Entscheidend ist, welche Art von Wissen erhoben werden soll.

Beispiele

Qualitative und quantitative Interviews

Qualitative und quantitative Interviews unterscheiden sich in Ziel, Standardisierung, Fragetechnik und Auswertung. Die qualitative Forschung zielt auf Verstehen und Interpretation. Die quantitative Forschung zielt auf Vergleichbarkeit und statistische Auswertung.

Qualitative Interviews

Qualitative Interviews erheben individuelle Einstellungen, Erfahrungen, Motive und Meinungen. Dafür eignen sich vor allem unstrukturierte oder semistrukturierte Interviewformen.

Zentrale Voraussetzung sind offene Fragen. Nur dadurch können befragte Personen ausführlich antworten und eigene Perspektiven einbringen.

Quantitative Interviews

Quantitative Interviews erfassen statistisch auswertbare Daten. Sie sind strukturiert aufgebaut und arbeiten mit geschlossenen Fragen sowie vorgegebenen Antwortoptionen.

Dadurch entstehen vergleichbare Daten, die für größere Stichproben, Häufigkeiten, Muster oder Zusammenhangsanalysen geeignet sind.

Qualitative und quantitative Interviews im Vergleich

Kriterium Qualitatives Interview Quantitatives Interview
Ziel Verstehen von Erfahrungen, Meinungen und Deutungen. Erhebung vergleichbarer und statistisch auswertbarer Daten.
Frageform offene Fragen. geschlossene Fragen mit Antwortoptionen.
Standardisierung gering bis mittel. hoch.
Stichprobe kleiner und gezielt ausgewählt. größer und stärker vergleichsorientiert.
Auswertung Transkription, Codierung, qualitative Inhaltsanalyse oder interpretative Auswertung. statistische Auswertung, Häufigkeiten, Mittelwerte oder Zusammenhangsanalysen.
Ergebnis tiefe, kontextbezogene Erkenntnisse. standardisierte, vergleichbare Ergebnisse.

Beispiele für Interviewformen

Unstrukturiertes Interview:
Eine offene Expertendiskussion ohne festen Fragenkatalog. Die Experten sprechen frei über Erfahrungen, Einschätzungen und relevante Entwicklungen.

Semistrukturiertes Interview:
Eine problemzentrierte Gruppendiskussion mit Leitfaden. Der Leitfaden gibt Themen vor, lässt aber Raum für Nachfragen und Vertiefungen.

Strukturiertes Interview:
Eine Umfrage zur politischen Einstellung mit festgelegten Fragen und Antwortoptionen. Die Antworten werden standardisiert ausgewertet.

Methodik

Interview-Methode in wissenschaftlichen Arbeiten

Die Interview-Methode muss im Methodik-Kapitel genau beschrieben und begründet werden. Bewertende müssen erkennen, warum die gewählte Interviewform zur Forschungsfrage passt und wie die Daten ausgewertet werden.

Interview methodisch planen

1. Forschungsfrage klären


Lege fest, welches Wissen, welche Erfahrung oder welche Einstellung durch Interviews erhoben werden soll.

2. Interviewform wählen


Entscheide zwischen strukturiertem, semistrukturiertem oder unstrukturiertem Interview.

3. Stichprobe bestimmen


Wähle befragte Personen passend zu Forschungsfrage, Feldzugang und Erkenntnisinteresse aus.

4. Leitfaden oder Fragen entwickeln


Formuliere offene oder geschlossene Fragen, die neutral, verständlich und forschungsrelevant sind.

5. Durchführung dokumentieren


Halte Datum, Dauer, Setting, Einwilligung, Aufzeichnung und Besonderheiten fest.

6. Auswertung festlegen


Bestimme, ob die Daten statistisch, inhaltsanalytisch oder interpretativ ausgewertet werden.

Checkliste Interviewform

  • Passt die Interviewform zur Forschungsfrage?
  • Ist der Grad der Standardisierung begründet?
  • Sind offene oder geschlossene Fragen sinnvoll gewählt?
  • Ist die Stichprobe nachvollziehbar ausgewählt?
  • Wurde eine Einwilligung zur Teilnahme und Aufzeichnung eingeholt?
  • Ist die Durchführung dokumentiert?
  • Ist die Auswertung vorab methodisch geplant?
  • Werden mögliche Interviewverzerrungen reflektiert?

Typische Fehler bei Interviews

Fehler Problem Bessere Lösung
suggestive Fragen Antworten werden durch die Fragestellung beeinflusst. neutral und offen fragen.
unpassende Interviewform Daten beantworten die Forschungsfrage nicht ausreichend. Interviewform aus Erkenntnisinteresse ableiten.
fehlende Dokumentation Die Erhebung bleibt nicht nachvollziehbar. Setting, Ablauf, Einwilligung und Besonderheiten protokollieren.
unklare Auswertung Interviewdaten bleiben deskriptiv oder beliebig interpretiert. Kodierverfahren, Kategorien oder statistische Auswertung festlegen.
Interviewverzerrung Erwartungen des Forschers beeinflussen Gespräch und Deutung. Leitfaden, Reflexion und klare Auswertungsregeln nutzen.

Reflexion

Interviewformen richtig auswählen

Die Wahl der Interviewform entscheidet darüber, welche Daten erhoben werden können. Ein strukturiertes Interview liefert vergleichbare Ergebnisse, begrenzt jedoch spontane Vertiefungen. Ein unstrukturiertes Interview eröffnet mehr Tiefe, erschwert aber Vergleichbarkeit und Auswertung.

Für viele qualitative Abschlussarbeiten ist das semistrukturierte Interview besonders geeignet, weil es Struktur und Offenheit verbindet. Der Leitfaden sichert den roten Faden, während offene Fragen vertiefte Antworten ermöglichen.

Wissenschaftlich überzeugend ist die Interview-Methode dann, wenn Forschungsfrage, Interviewform, Stichprobe, Durchführung, Dokumentation und Auswertung logisch verbunden sind.

Fazit

Interviewformen unterscheiden sich nach ihrem Grad der Standardisierung. Strukturierte Interviews eignen sich für vergleichbare quantitative Daten. Semistrukturierte Interviews verbinden Leitfaden und Offenheit. Unstrukturierte Interviews eignen sich für explorative Forschung und tiefe Einblicke. Entscheidend ist, die Interviewform passend zur Forschungsfrage zu wählen und methodisch sauber zu dokumentieren.

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Häufige Fragen & Antworten

Du hast noch weitere Fragen zur Methodik? Dann recherchiere weiter in der 1a-Studi Wissensdatenbank.

Welche Interviewformen gibt es?

Es gibt verschiedene Interviewformen, die je nach Forschungsziel, Thema und Gesprächssituation eingesetzt werden. Zu den wichtigsten Formen gehören das strukturierte Interview, das unstrukturierte Interview und das semi-strukturierte Interview. Beim strukturierten Interview sind Fragen und Reihenfolge festgelegt. Beim unstrukturierten Interview verläuft das Gespräch offener. Das semi-strukturierte Interview arbeitet mit einem Leitfaden, lässt aber Nachfragen und Vertiefungen zu. Weitere Formen sind Gruppeninterviews, Panel-Interviews, Experteninterviews und Tiefeninterviews.

Welche Interviewform wird bei Bewerbungsgesprächen verwendet?

Bei Bewerbungsgesprächen werden häufig strukturierte Interviews genutzt, weil dadurch vergleichbare Bedingungen für alle Bewerber entstehen. Semi-strukturierte Interviews kommen ebenfalls vor, wenn neben fachlichen Qualifikationen auch Motivation, Soft Skills und persönliche Einschätzungen erfasst werden sollen. In größeren Unternehmen sind zudem Panel-Interviews oder Gruppeninterviews möglich, bei denen mehrere Interviewer oder mehrere Bewerber beteiligt sind.

Welche Interviewform ist für meine wissenschaftliche Arbeit geeignet?

Die geeignete Interviewform hängt von Forschungsfrage, Zielgruppe und Erkenntnisinteresse ab. Ein strukturiertes Interview eignet sich, wenn Antworten gut vergleichbar sein sollen. Ein semi-strukturiertes Interview ist sinnvoll, wenn ein Leitfaden Orientierung geben soll, aber zugleich Raum für Nachfragen und vertiefende Antworten bleiben soll. Ein unstrukturiertes Interview passt, wenn explorativ geforscht wird und offene Deutungen, Erfahrungen oder biografische Erzählungen im Mittelpunkt stehen.

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