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Methodik

Qualitative Inhaltsanalyse

Qualitative Inhaltsanalyse – nach Mayring und Kurckartz

Die qualitative Inhaltsanalyse ist eine in der qualitativen Sozialforschung weitverbreitete Methode zur Auswertung von Texten. Mit dieser Methode können schriftliche Daten systematisch erfasst und interpretiert werden.

Der Kern der Auswertung ist die Entwicklung eines Kategoriensystems, das die Ergebnisse und Analyseaspekte abbildet. Die qualitative Inhaltsanalyse ist ein deduktiver Ansatz, bei dem Erkenntnisse aus dem vorliegenden Material gewonnen werden.

Diese Methode kann auf unterschiedliche Datenarten angewendet werden, z. B. auf die Auswertung der wesentlichen Inhalte von schriftlichen Interviews.

Die bekanntesten Autoren einer Inhaltsanalyse sind Mayring und Kuckartz. In diesem 1a-Studi Artikel lernst du, wie du beide Methodenansätze in deiner wissenschaftlichen Arbeit anwendest.

 
Grundlagen und Techniken

Qualitative Inhaltsanalyse Grundlagen und Techniken

In der qualitativen Inhaltsanalyse wird das Vorgehen der standardisierten (quantitativ) und rekonstruktiven (qualitativ) Sozialforschung kombiniert.

Hierfür wird ein Kategoriensystem erstellt, das zur Auswertung des Materials dient. Dieses wird in wechselseitiger Bezugnahme auf den theoretischen Hintergrund und die Besonderheiten des Materials entwickelt. Anschließend werden die Daten mithilfe dieser Kategorien interpretiert und anhand der Gütekriterien ausgewertet.

Die Methode der qualitativen Inhaltsanalyse umfasst eine Kette von mehreren Schritten, die unbedingt nacheinander abgehalten werden müssen:

5 Schritte der Inhaltsanalyse

  1. Definition der Forschungsfrage
  2. Auswahl des Materials
  3. Erstellung eines Kategoriensystems für die Auswertung
  4. Kodierung des Materials anhand des Kodierleitfadens.
  5. Interpretation und Präsentation der Ergebnisse

1. Definition der Forschungsfrage

Um deiner Analyse ein Ziel zugeben, benötigst du eine Forschungsfrage. Diese stellst du bereits mit der Planung deiner Thesis in der Einleitungauf. Diese hat einen entscheidenden Einfluss auf die Methodenwahl, die Auswahl des Materials sowie die Relevanz der Ergebnisse.

2. Auswahl des Materials

Hier suchst du nicht nur nach geeignetem Material, sondern legst ggf. die zu untersuchenden Ausschnitte fest und ordnest sie in ihren Entstehungskontext ein.

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3. Erstellung eines Kategoriensystems für die Auswertung

Als Nächstes entwickelst du ein strukturiertes Kategoriensystem. Dieses dient als methodologische Grundlage für die spätere Kodierung des Materials. Das Kategoriensystem sollte sowohl inhärente als auch theoriegeleitete Aspekte berücksichtigen. Dadurch wird eine umfassende und valide Analyse sichergestellt.

4. Kodierung des Materials anhand des Kodierleitfadens

Hier wird das ausgewählte Material systematisch kodiert. Dabei werden Textstellen, Sequenzen oder auch ganze Dokumente anhand des zuvor erstellten Kategoriensystems und Kodierleitfadens evaluiert. Die Kodierung bildet die Grundlage für die anschließende Interpretation.

5. Interpretation und Präsentation der Ergebnisse

Im letzten Schritt der qualitativen Inhaltsanalyse folgt die Interpretation der kodierten Daten. Hierbei werden die kodierten Einheiten in einen breiteren Kontext gestellt und daran die Forschungsfrage beantwortet.Die Interpretation der Ergebnisse sollte sowohl eine deskriptive als auch eine inferentielle Analyse beinhalten.

Nach Mayring

Qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring

Das Vorgehen der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring folgt festgelegten Regeln. Diese werden auf Texte (Interviews, Befragungen, der Protokolle) systematisch angewendet analysieren.

Warum qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring?

  • Systematische Analyse kommunikativer oder schriftlicher Inhalte
  • Forschungsfrage anhand von Material beantworten
  • Qualitative und quantitative Ansätze verbinden
  • Große Datensätze verarbeiten

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10 Schritte der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring

  1. Geeignetes Material zur Beantwortung deiner Forschungsfrage auswählen
  2. Analyse des Materials (Welche Bedingungen beeinflussten die Herstellung des Materials?)
  3. Formale Charakteristika herausarbeiten
  4. Präzise Fragestellung aufstellen
  5. Fragestellung mit bisheriger Forschung verknüpfen
  6. Form der Analyse bestimmen

Mayring unterscheidet 3 Formen für die Auswertung der Daten:

  • Explizierende Inhaltsanalyse
  • Strukturierende Inhaltsanalyse
  • Zusammenfassende Inhaltsanalyse

Nähere Informationen findest du im Artikel Interview auswerten.

  1. Analyseeinheiten definieren (Welche Textstellen sollen analysiert werden?)
  2. Analysiere dein Material mithilfe des festgelegten Ablaufmodells.
  3. Ergebnisse interpretieren
  4. Gütekriterien sicherstellen

In einem letzten Schritt stellst du sicher, dass dein Vorgehen die Gütekriterien der qualitativen Forschung einhält.

Nach Kuckartz

Qualitative Inhaltsanalyse Kuckartz

Die qualitative Inhaltsanalyse nach Kuckartz ist ebenfalls regelgeleitet. Auch Kuckartz unterscheidet 3 Formen für die Auswertung der Daten:

  • Inhaltsstruktur
  • Evaluation
  • Typisierung

Durch die verschiedenen Auswertungsmöglichkeiten kannst du das Vorgehen individuell an das Erkenntnisinteresse anpassen.

Warum qualitative Inhaltsanalyse nach Kuckartz?

  • Regelgeleitete Analyse von schriftlichen Inhalten
  • Explorative Forschung durchführen

7 Schritte einer inhaltsstrukturierenden qualitativen Inhaltsanalyse nach Kuckartz

Achte darauf, dass die Inhaltsanalyse einen soziokulturellen Hintergrund verfolgt und somit die Einhaltung der Schritte auch die Richtung der Analyse bestimmt.

Die qualitative und quantitative Inhaltsanalyse ist ein überschaubarer Korpus von wenigen Schritten. Dennoch ist die Form der Inhaltsanalyse essenziell, um richtige Ergebnisse zu erhalten und somit einen Mehrwert für die Forschung zu generieren.

1. Textarbeit

Markiere zentrale Textstellen und notiere Besonderheiten oder erste Eindrücke.

2. Bilden von thematischen Hauptkategorien

Leite die zentralen Kategorien anhand der inhaltlichen Textstruktur ab. Oftmals ergeben sich diese Hauptkategorien bereits aus der Fragestellung. Du betrachtest lediglich einen Ausschnitt des Textes (10 – 25 %).

3. Kodieren des Materials mit den gebildeten Kategorien

Nun gehst du den Textabschnitt kleinschrittig durch und ordnest ihn den jeweiligen Kategorien zu.

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4. Sammeln von Textstellen nach Hauptkategorie

Sammle alle Textstellen, die zu der jeweiligen Hauptkategorie passt.

5. Festlegen von Subkategorien

Analysiere die ausgewählten Textstellen ein erneut und bilde Subkategorien. Subkategorien sind den Hauptkategorien untergeordnet und differenzieren diese.

6. Kodieren des Materials aufgrund des Kategoriensystems

Nun analysierst du den gesamten Text anhand der gebildeten Haupt- und Subkategorien.

7. Analyse und Interpretation der Ergebnisse

Abschließend stellst du Beziehungen zwischen den Kategorien her und visualisierst deine Ergebnisse.

Beispiel

Qualitative Inhaltsanalyse Beispiel

Für deine Abschlussarbeit führst du eine qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring zum Thema „Wie wurde zwischen 2016 und 2019 in Ernährungszeitschriften über die Paleo-Ernährung berichtet?“ durch. Dein Vorgehen könnte dabei zum Beispiel so aussehen:

1. Sammeln von Informationen

Du sammelst Artikel aus verschiedenen Ernährungszeitschriften, deutscher Tageszeitungen oder Studien, in denen über die Paleo-Ernährung berichtet wird.

2. Analyse

Dann kannst du mit deiner Analyse beginnen. Du untersuchst die Titelseiten der Zeitschriften über einen bestimmten Zeitraum mit dem Fokus auf deine Forschungsfrage:

  • Welche formalen Charakteristika liegen vor?
  • Passt deine Fragestellung zu deinem Material?
  • Wie lässt sich das Material mit der bisherigen Forschung verknüpfen?

Auf dieser Grundlage entscheidest du dich für die Durchführung einer strukturierenden Inhaltsanalyse und entwirfst einen Leitfaden.

3. Kategorisierung

Lies dir dein Material noch einmal durch und lege fest, welche Textstellen du im Folgenden analysieren möchtest.

Zum Beispiel könntest du dich auf einen Aspekt der Paleo-Ernährung beschränken, indem du die Darstellung der gesundheitlichen Vorteile untersuchst.

1a-Studi-Tipp: Markiere dir hierfür zutreffende Textstellen farblich in deinem Material. Durchsuche den Text mithilfe von Schlagwörtern, z. B. Ernährung und Pealeo. Deine Interviewpartner werden sicherlich sehr oft davon berichten.

4. Analyse

Analysiere nun das gesamte Material anhand deines Kodierleitfadens. Kodiere relevante Textstellen, um Muster oder wiederkehrende Konzepte in der Berichterstattung über die Paleo-Ernährung zu identifizieren.

5. Ergebnisse interpretieren

Du gewinnst vertiefte Erkenntnisse über den Umgang mit dem Thema, die du abschließend interpretieren und zur Beantwortung deiner Forschungsfrage nutzen kannst.

Vor- und Nachteile der Inhaltsanalyse

Vorteile Nachteile
Da die Inhaltsanalyse regelgeleitet ist und einem vorher festgelegten Ablauf folgt, ist sie leicht durchzuführen. Fragen nach Gründen lassen sich in einer Inhaltsanalyse schwierig beantworten.
Man ist bei der Durchführung nicht auf andere Personen (z. B. Interviewpartner) angewiesen. Ein völlig objektives Vorgehen ist nahezu unmöglich.
Die Methode eignet sich aufgrund ihrer flexiblen Ausrichtung für viele Forschungsinteressen.
Häufige Fragen & Antworten

Du hast noch weitere Fragen zum Thema Methodik in wissenschaftlichen Arbeiten, die du nicht in diesem Artikel beantwortet bekommen hast? Dann recherchiere weiter in der 1a-Studi Akademie.

Grundlagen der qualitativen Inhaltsanalyse
Bei der qualitativen Inhaltsanalyse handelt es sich um eine Forschungsmethode, mit der Texte oder andere mediale Inhalte systematisch untersucht werden. Hierbei werden Muster, Themen oder Kategorien identifiziert, um tiefere Einsichten in das untersuchte Material zu gewinnen.
Diese Methode ermöglicht eine detaillierte Untersuchung von schriftlichen Inhalten. Die Methode ist systematisch und kann daher in verschiedenen wissenschaftlichen Arbeiten angewendet werden (z. B. Sozialwissenschaften, Geisteswissenschaften).
Die qualitative Inhaltsanalyse wird verwendet, wenn komplexe soziale Phänomene verstanden werden wollen.
Methodologische Entscheidungen
Die Anzahl der Kategorien hängt von der Komplexität des zu untersuchenden Materials ab. Eine zu große Anzahl kann die Analyse unübersichtlich machen, eine zu geringe Anzahl könnte wichtige Aspekte übersehen.
Die Wahl des Ansatzes hängt von der Forschungsfrage und den Zielen der Studie ab. Zur Auswahl stehen deduktive und induktive Methode, abhängig davon, ob eine Theorie bereits existiert oder entwickelt werden soll.
Die Gütekriterien sind Reliabilität, Validität und Objektivität. Eine sorgfältige Planung und Durchführung der Analyse sind entscheidend für die Erfüllung dieser Kriterien.
Spezifische Ansätze und Autoren
Die Methode eignet sich gut für die Auswertung von Leitfadeninterviews, da diese die Analyse von komplexen Antworten in einem strukturierten Rahmen ermöglicht.
Der methodische Ansatz von Mayring besteht aus aufeinanderfolgenden Schritten und ist daher geeignet für eine Bachelorarbeit oder Masterarbeit. Weiter sind klare Leitlinien für die Durchführung der Analyse zugänglich.
Mayrings Ansatz verwendet ein festes Kategoriensystem, das entweder deduktiv oder induktiv erstellt werden kann. Die Methode ist besonders für wissenschaftliche Einsteiger geeignet.
Mayring schlägt eine systematische Herangehensweise vor, die mit der Definition der Forschungsfrage beginnt und mit der Interpretation der Ergebnisse endet. Alles Schritt für Schritt.
Die Methode von Kuckartz bietet eine besonders detaillierte Herangehensweise und basiert auf die computergestützte Analyse von Daten.
Nach Kuckartz wird eine gründliche Datenvorbereitung und -kodierung sowie die Verwendung Softwaretools für die Analyse empfohlen.
Der Ansatz nach Ramsenthaler legt besonderen Wert auf die kontextsensitive Interpretation des Materials und wird oft in der Medizin und Psychologie verwendet.
Anwendung in akademischen Arbeiten
Beginnen Sie mit einer klaren Forschungsfrage und einer Literaturübersicht. Anschließend folgen Datensammlung, Datenaufbereitung, Analyse und Interpretation der Ergebnisse.
Die Dauer ist variabel und hängt von Faktoren wie Datenmenge und Komplexität der Forschungsfrage ab. Ein Zeitraum von einigen Wochen bis zu mehreren Monaten kann realistisch sein.
In einer Masterarbeit sollten mindestens 2 Monate für die qualitative Inhaltsanalyse eingeplant werden, abhängig von der Datenmenge und der Komplexität des Themas.
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