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Sekundärliteratur zitieren und richtig verwenden

Sekundärliteratur hilft dir, vorhandene Forschung zu verstehen, einzuordnen und kritisch auszuwerten. Sie interpretiert, vergleicht oder systematisiert Primärliteratur und ist besonders wichtig für Forschungsstand, Theorie und Diskussion. Dieser Artikel erklärt, woran du Sekundärliteratur erkennst, wie sie sich von Primär- und Tertiärliteratur unterscheidet, wann ihre Verwendung sinnvoll ist und wie du sie korrekt zitierst, ohne Primärquelle und Sekundärzitat zu verwechseln.

Direktes Zitat

Definition

Was ist Sekundärliteratur?

Sekundärliteratur ist wissenschaftliche Literatur, die sich auf bereits vorhandene Quellen, Studien, Daten oder Texte bezieht. Sie liefert nicht zwingend den ursprünglichen Gegenstand selbst, sondern analysiert, interpretiert, bewertet oder systematisiert Primärliteratur.

Typisch ist Sekundärliteratur zum Beispiel dann, wenn ein Autor eine Studie auswertet, ein literarisches Werk interpretiert, historische Quellen einordnet oder mehrere Forschungsergebnisse in einem Review zusammenfasst.

Merkmale von Sekundärliteratur

  • Sie bezieht sich auf bereits vorhandene Primärquellen.
  • Sie interpretiert, erklärt, bewertet oder vergleicht vorhandene Forschung.
  • Sie liefert häufig Überblick, Einordnung oder theoretische Vertiefung.
  • Sie kann für Forschungsstand, Theorie, Diskussion und Kontext wichtig sein.
  • Sie ersetzt keine Primärquelle, wenn du eine Originalaussage selbst prüfen musst.
  • Sie muss wie jede andere verwendete Quelle korrekt zitiert werden.

Sekundärliteratur ist nicht automatisch schlecht

Sekundärliteratur ist keine „schlechte“ Quelle. Sie ist nur eine andere Quellenart. Besonders bei Forschungsständen, Theoriekapiteln, historischen Einordnungen, literaturwissenschaftlichen Interpretationen oder systematischen Übersichten kann Sekundärliteratur sehr wertvoll sein.

Problematisch wird Sekundärliteratur erst dann, wenn du sie als Ersatz für leicht verfügbare Primärquellen nutzt oder zentrale Aussagen nur aus zweiter Hand übernimmst.

Praxis-Tipp

Nutze Sekundärliteratur, um ein Thema zu verstehen, Forschungspositionen einzuordnen und Primärquellen zu finden. Zentrale Belege solltest du möglichst aus der Originalquelle prüfen.

Abgrenzung

Primärliteratur, Sekundärliteratur und Tertiärliteratur

Die Unterscheidung zwischen Primär-, Sekundär- und Tertiärliteratur zeigt, wie nah eine Quelle am ursprünglichen Gegenstand oder Forschungsergebnis liegt. Diese Abgrenzung ist für Literaturauswahl, Quellenkritik und Zitation wichtig.

Literaturform Funktion Beispiele
Primärliteratur Originalquelle oder Forschung aus erster Hand. Studie, Roman, Gesetzestext, Interview, Datensatz, Archivquelle
Sekundärliteratur Analyse, Interpretation oder Einordnung von Primärquellen. Fachaufsatz, Review, Monografie, Kommentar, wissenschaftliche Analyse
Tertiärliteratur Überblick, Nachschlagefunktion oder Zusammenfassung von Wissen. Lexikon, Enzyklopädie, Wörterbuch, allgemeines Handbuch

Beispiel aus der Literaturwissenschaft

Primärliteratur: ein Roman von Goethe
Sekundärliteratur: eine wissenschaftliche Interpretation dieses Romans
Tertiärliteratur: ein Lexikonartikel über Goethe

Beispiel aus der empirischen Forschung

Primärliteratur: eine Originalstudie mit eigener Datenerhebung
Sekundärliteratur: ein Review, das mehrere Studien vergleicht
Tertiärliteratur: ein Lehrbuchkapitel, das den Forschungsbereich allgemein erklärt

Verwendung

Wann verwendest du Sekundärliteratur?

Sekundärliteratur ist besonders hilfreich, wenn du einen Überblick brauchst, Forschung einordnen möchtest oder verschiedene Positionen vergleichen willst. Sie zeigt dir, wie andere Autoren Primärquellen interpretieren und welche Diskussionen in deinem Fachgebiet geführt werden.

Sekundärliteratur ist sinnvoll für

  • den Einstieg in ein neues Thema,
  • die Darstellung des Forschungsstands,
  • die Einordnung zentraler Theorien,
  • den Vergleich verschiedener wissenschaftlicher Positionen,
  • die Interpretation literarischer, historischer oder philosophischer Originaltexte,
  • die Diskussion eigener Ergebnisse mit vorhandener Forschung,
  • das Auffinden wichtiger Primärquellen über Literaturverzeichnisse.

Sekundärliteratur ist problematisch, wenn

  • sie nur genutzt wird, weil die Primärquelle nicht recherchiert wurde,
  • eine zentrale Originalaussage nur aus zweiter Hand übernommen wird,
  • eine Studie aus einem Lehrbuch zitiert wird, obwohl die Originalstudie verfügbar ist,
  • die Sekundärquelle veraltet ist,
  • die Interpretation der Sekundärquelle ungeprüft übernommen wird,
  • deine Arbeit fast ausschließlich auf Sekundärliteratur beruht.

Falsch:
Eine zentrale Studie wird nur aus einem Lehrbuch wiedergegeben, obwohl der Originalartikel verfügbar ist.

Richtig:
Der Originalartikel wird recherchiert und direkt verwendet. Das Lehrbuch kann ergänzend zur Einordnung genutzt werden.

Beispiele

Sekundärliteratur Beispiele nach Fachbereich

Sekundärliteratur sieht je nach Fachbereich unterschiedlich aus. Entscheidend ist, dass sie vorhandene Primärquellen verarbeitet, auswertet oder interpretiert.

Geisteswissenschaften

  • Interpretationen literarischer Werke,
  • philosophische Kommentare zu Originaltexten,
  • historische Analysen von Quellen,
  • Biografien über Schriftsteller, Denker oder historische Personen,
  • Fachaufsätze zu Epochen, Motiven oder Theorien.

Sozial- und Wirtschaftswissenschaften

  • Reviews über empirische Studien,
  • Fachbücher zu theoretischen Modellen,
  • Aufsätze, die vorhandene Studien vergleichen,
  • Analysen von Unternehmensdaten oder Marktberichten,
  • Beiträge zur Einordnung sozialer oder ökonomischer Entwicklungen.

Medizin, Pflege und Naturwissenschaften

  • systematische Reviews,
  • Metaanalysen,
  • Leitlinien mit Auswertung vorhandener Studien,
  • Übersichtsartikel zu einem Forschungsfeld,
  • Fachbücher mit Zusammenfassung aktueller Studienlage.

Jura

  • Kommentare zu Gesetzen,
  • Lehrbücher,
  • Aufsätze zur Rechtsprechung,
  • Urteilsbesprechungen,
  • juristische Fachbeiträge zur Auslegung von Normen.
Fachbereich Primärquelle Sekundärliteratur
Literaturwissenschaft Roman Interpretation des Romans
Psychologie Originalstudie Review über mehrere Studien
Geschichte Archivdokument Historische Analyse
Jura Gesetz oder Urteil Kommentar oder Aufsatz
Medizin Klinische Studie Systematischer Review

Zitieren

Sekundärliteratur richtig zitieren

Sekundärliteratur zitierst du grundsätzlich wie jede andere verwendete Quelle. Wenn du einen Gedanken aus der Sekundärliteratur übernimmst, setzt du die Quelle im Text oder in der Fußnote und nimmst die Quelle vollständig in das Literaturverzeichnis auf.

Indirektes Zitat aus Sekundärliteratur

Wenn du eine Aussage aus Sekundärliteratur in eigenen Worten wiedergibst, handelt es sich um ein indirektes Zitat.

Wissenschaftliche Reviews zeigen, dass Rückmeldung im Schreibprozess die Qualität der Überarbeitung verbessern kann (Schneider 2023: 45).

Direktes Zitat aus Sekundärliteratur

Wenn der genaue Wortlaut der Sekundärquelle wichtig ist, kannst du direkt zitieren. Das direkte Zitat muss in Anführungszeichen stehen und eine genaue Seitenangabe enthalten.

„Reviews bündeln vorhandene Forschung und machen Forschungslücken sichtbar“ (Schneider 2023: 45).

Sekundärliteratur mit Fußnote zitieren

Bei der deutschen Zitierweise wird der Quellenbeleg häufig in einer Fußnote gesetzt.

Wissenschaftliche Reviews können Forschungslücken sichtbar machen.1

1 Vgl. Schneider, 2023, S. 45.

„Vgl.“ bei Sekundärliteratur

„Vgl.“ wird häufig bei indirekten Zitaten in Fußnoten verwendet. In APA oder Harvard ist „vgl.“ meist nicht vorgesehen. Entscheidend ist immer der Zitierleitfaden deiner Hochschule.

Zitiert nach

Sekundärliteratur oder Sekundärzitat?

Sekundärliteratur und Sekundärzitat sind nicht dasselbe. Sekundärliteratur ist eine Quellenart. Ein Sekundärzitat entsteht erst, wenn du eine Primärquelle nicht selbst gelesen hast, sondern nur über eine Sekundärquelle zitierst.

Normale Nutzung von Sekundärliteratur

Wenn du eine eigene Aussage des Autors der Sekundärliteratur übernimmst, zitierst du einfach diese Sekundärliteratur.

Reviews eignen sich zur Darstellung des Forschungsstands, weil sie mehrere Einzelstudien zusammenführen (Schneider 2023: 45).

Sekundärzitat mit „zitiert nach“

Wenn Schneider in seiner Sekundärliteratur eine Aussage von Müller wiedergibt und du Müller nicht selbst gelesen hast, brauchst du „zitiert nach“.

Wissenschaftliche Quellenarbeit verlangt eine klare Trennung eigener und fremder Gedanken (Müller 1998, zitiert nach Schneider 2023: 45).

Fall Was ist es? Wie zitieren?
Du übernimmst Schneiders eigene Interpretation. Sekundärliteratur Schneider 2023 zitieren
Du übernimmst Müller, den Schneider zitiert. Sekundärzitat Müller 1998, zitiert nach Schneider 2023
Du findest und liest Müller selbst. Primärquelle Müller 1998 direkt zitieren
Praxis-Tipp

Nicht jede Sekundärliteratur führt automatisch zu „zitiert nach“. Du brauchst „zitiert nach“ nur, wenn du eine darin zitierte Primärquelle übernimmst, ohne sie selbst gelesen zu haben.

Literaturverzeichnis

Sekundärliteratur im Literaturverzeichnis

Sekundärliteratur wird im Literaturverzeichnis vollständig nach dem geforderten Zitierstil aufgeführt. Entscheidend ist die konkrete Quellenart: Monografie, Sammelbandbeitrag, Zeitschriftenartikel, Review, Kommentar oder Internetquelle.

Monografie als Sekundärliteratur

Schneider, L. (2023). Wissenschaftliche Quellenarbeit im Studium. München: Beispiel Verlag.

Zeitschriftenartikel als Sekundärliteratur

Müller, T. (2024). Sekundärliteratur und Forschungsstand in Abschlussarbeiten. Journal für Hochschulforschung, 12(2), 45–62.

Review als Sekundärliteratur

Weber, A. (2022). Schreibberatung im Studium: Ein systematischer Überblick. Zeitschrift für Wissenschaftliches Arbeiten, 8(1), 10–31.

Welche Quelle steht bei „zitiert nach“ im Literaturverzeichnis?

Wenn du eine Primärquelle nur über Sekundärliteratur kennst, steht in der Regel die tatsächlich gelesene Sekundärquelle im Literaturverzeichnis. Die Primärquelle wird im Text oder in der Fußnote über „zitiert nach“ sichtbar gemacht.

Sonderfälle

Sonderfälle und Probleme bei Sekundärliteratur

Bei Sekundärliteratur entstehen häufig Probleme, wenn Quellenstatus, Aussageebene und Literaturverzeichnis nicht sauber getrennt werden.

Sekundärliteratur als Hauptquelle

Ein Kapitel darf nicht nur aus Sekundärliteratur bestehen, wenn leicht verfügbare Primärquellen zentral für das Thema sind. Sekundärliteratur kann den Forschungsstand erklären, aber zentrale Studien oder Originaltexte sollten möglichst direkt geprüft werden.

Reviews und Metaanalysen

Reviews und Metaanalysen sind oft Sekundärliteratur, können aber sehr hochwertige Quellen sein. Sie sind besonders nützlich, wenn du einen Forschungsstand zusammenfassen möchtest. Einzelne Originalstudien können trotzdem zusätzlich wichtig sein.

Lehrbücher

Lehrbücher sind häufig Sekundär- oder Tertiärliteratur. Sie eignen sich für Grundlagen, sollten aber nicht den gesamten wissenschaftlichen Belegapparat einer Abschlussarbeit tragen.

Veraltete Sekundärliteratur

Ältere Sekundärliteratur kann bei historischen oder klassischen Theorien sinnvoll sein. Bei aktuellen Themen solltest du jedoch prüfen, ob neuere Studien, Reviews oder Fachartikel verfügbar sind.

Sekundärliteratur in Literaturarbeiten

In Literaturarbeiten ist Sekundärliteratur besonders wichtig, weil du vorhandene Forschung vergleichst und auswertest. Trotzdem solltest du zentrale Primärstudien, Theorien oder Originaltexte nicht nur aus zweiter Hand übernehmen.

Fehler vermeiden

Häufige Fehler bei Sekundärliteratur

Die häufigsten Fehler entstehen, wenn Sekundärliteratur als Primärquelle behandelt wird oder wenn ein Sekundärzitat nicht korrekt mit „zitiert nach“ gekennzeichnet wird.

Fehler Warum problematisch? Richtig
Sekundärliteratur wird als Primärliteratur bezeichnet. Der Quellenstatus ist falsch. Prüfen, ob die Quelle originale Ergebnisse liefert oder vorhandene Quellen auswertet.
Originalstudie wird nur aus einem Lehrbuch zitiert. Die Aussage wird aus zweiter Hand übernommen. Originalstudie suchen und direkt zitieren.
„Zitiert nach“ fehlt. Der Quellenweg bleibt unklar. Primärquelle und Sekundärquelle im Beleg sichtbar machen.
Sekundärliteratur wird ungeprüft übernommen. Interpretationen können einseitig oder veraltet sein. Mehrere Positionen vergleichen.
Zu viele Lehrbücher, zu wenige Fachartikel. Der Forschungsstand wirkt oberflächlich. Fachaufsätze, Studien und Reviews ergänzen.
Quelle fehlt im Literaturverzeichnis. Der Beleg ist nicht nachvollziehbar. Alle verwendeten Sekundärquellen vollständig aufnehmen.

Falsch und richtig

Falsch:
Eine Studie wird aus einem Review übernommen und so zitiert, als wäre die Originalstudie selbst gelesen worden.

Problem: Das täuscht eine direkte Nutzung der Primärquelle vor.

Richtig:
Entweder wird die Originalstudie beschafft und direkt zitiert oder die Aussage wird als Sekundärzitat mit „zitiert nach“ gekennzeichnet.

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Häufige Fragen & Antworten

Du hast noch weitere Fragen zur Zitation, die du nicht in diesem Artikel beantwortet bekommen hast? Dann recherchiere weiter in der Wissensdatenbank hier bei 1a-Studi.

Was ist Sekundärliteratur?

Sekundärliteratur ist Literatur, die vorhandene Primärquellen auswertet, interpretiert, vergleicht oder wissenschaftlich einordnet. Dazu gehören zum Beispiel Reviews, Fachaufsätze, Kommentare und wissenschaftliche Analysen.

Was ist der Unterschied zwischen Primärliteratur und Sekundärliteratur?

Primärliteratur liefert Originalquellen oder eigene Forschungsergebnisse. Sekundärliteratur verarbeitet, analysiert oder bewertet diese Primärquellen.

Darf ich Sekundärliteratur in der Bachelorarbeit verwenden?

Ja, Sekundärliteratur darf verwendet werden, besonders für Forschungsstand, Theorie und Einordnung. Zentrale Originalaussagen sollten jedoch möglichst aus Primärquellen belegt werden.

Wann brauche ich „zitiert nach“?

„Zitiert nach“ brauchst du, wenn du eine Primärquelle nicht selbst gelesen hast, sondern eine Aussage dieser Quelle nur über eine Sekundärquelle verwendest.

Muss Sekundärliteratur ins Literaturverzeichnis?

Ja. Jede Sekundärquelle, die du im Text, in Fußnoten, Tabellen oder Abbildungen verwendest, muss vollständig im Literaturverzeichnis stehen.

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Korrektur Zitation & Fußnoten

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